Historie

Quelle Erwin Fink und Helmut Sieber

 

Die ins Internet gestellte Geschichte der Wehr ist dem Sonderdruck des Mitteilungsblattes anlässlich des 125jährigen Bestehens 1988 übernommen. Urheberrechtlich
sind die beiden Verfasser Erwin Fink und Helmut Sieber
zu benennen



Feuerwehr – Prolog

Das Feuerlöschwesen ist so alt wie die Menschheit. Dies ist ein kühner Satz, aber er hat seine Berechtigung, denn mit dem Menschen kam auch das Feuer. Von Anfang an trat es in zwei sich gegenüberstehenden Formen auf. Das dem Menschen dienende Feuer hat sich stets für das Dasein von grundlegendem und unabdingbarem Nutzen erwiesen, als Wärmespender, als Flamme zur Zubereitung von Speisen und zum Backen, als Mittel zum Brennen der Töpfe und Ziegel und zum Schmelzen von Eisen und Metall. Man nennt dies das vom Menschen beherrschte und geregelte Feuer. Demgegenüber steht das ungewollte, das durch Unachtsamkeit oder durch Willkür, durch Gewalt oder kriegerische Einflüsse, durch Blitzschlag oder durch Selbstzündung hervorgerufene Feuer, das in seiner Folge für den Menschen verheerende Auswirkungen haben kann. Dieses Feuer mußten die Menschen zu allen Zeiten bekämpfen. Friedrich von Schiller hat in seinem Gedicht "Das Lied von der Glocke" die Doppelwirkung des Feuers treffend geschildert: Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht, und was er bildet, was er schafft, das dankt er dieser Himmelskraft; doch furchtbar wird die Himmelskraft, wenn sie der Fessel sich entrafft, einhertritt auf der eignen Spur die freie Tochter der Natur. Wehe, wenn sie losgelassen, wachsend ohne Widerstand durch die volkbelebten Gassen wälzt den ungeheuren Brand! Denn die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand. Der Feuerwehrmann von heute hat also eine uralte Tradition. In der Antike, über das ganze Mittelalter hinweg, bis in die Neuzeit focht man mit den jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die kleinen und die großen Feuer, selbst gegen Feuersbrünste größten Ausmaßes mußten die Menschen antreten. Als Kaiser Nero in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli des Jahres 64 die Stadt Rom anzündete und damit einen Riesenbrand entfachte, ahnte er wohl nicht, daß fast 1900 Jahre später mehrere deutsche Städte in noch größeren Feuerstürmen untergingen und dabei offenkundig wurde, daß in solchen Feuerwalzen keine Macht der Welt imstande sein würde, dem Feuer Einhalt zu bieten. Es fing daher viel bescheidener an. Zuerst gab es nur die Selbsthilfe. Jeder war sich selbst der Nächste. Dann folgte die Sippe, die unorganisierte Gemeinschaft zur selbstverständlichen Hilfe in allen Noten. Dann wurden private Feuerlöschorganisationen gebildet, wie sie auch die Römer anwandten. Diese fanden eine Fortsetzung in den vom Militär verschiedener Völker eingesetzten Feuerlösch-Abteilungen, zusammengestellt aus regulären Soldaten. Schon parallel dazu und auch in der Folge entwickelten die Grundherren und die Fürsten besondere Feuerlöschvorschriften für die Bevölkerung ihres Herrschaftsbereichs, Vorschriften, die die in Wohngemeinschaften, also in Städten und Dörfern miteinander lebenden Menschen zur gegenseitigen Hilfe verpflichteten. Und so kam man über die Pflichtfeuerwehr zu dem in vielen Ländern Europas, also auch in Deutschland, angewandten System der Berufs- und der freiwilligen Feuerwehr. Die Löschmittel und die Löschverfahren änderten sich analog der technischen Entwicklung in den einzelnen Ländern der Erde. Am Anfang war das Wasser. Sogar in der Religion wird es als Gegenpol zum Feuer dargestellt. Bald aber sah man ein, daß das Wasser nicht immer und überall als Gegenmittel zum Feuer anwendbar war. Man erkannte, daß das Feuer Luft, genauer gesagt, Sauerstoff für seine Ausbreitung benötigte. So ging man auch dazu über, das Feuer durch Abdecken zum Ersticken zu bringen. Man erledigte dies mit allerlei Gegenständen fester oder stofflicher Art, wie Feuerpatschen, Abdeckung mit Erde oder sonstigen Stoffdecken. Dies hatte jedoch nur bei kleineren, im Beginn befindlichen Feuern oder bei Schwelbränden eine Aussicht auf Erfolg. Heute stehen dazu Schaummittel, wie die organischen Protein-Schäume und die anorganischen Schäume und dazu noch feinzerstäubtes Pulver zur Verfügung. Doch blieb nach wie vor das Wasser als Hauptlöschmittel dominierend. Darauf liefen in allen Epochen die Entwicklungen der technischen Löschgeräte hinaus. Die zu löschenden Anlagen, Flächen und Gegenstände bedürfen jeweils einer sach- und fachgerechten Behandlung, allein schon bedingt durch die weitverbreitete Entwicklung auf den Gebieten der Elektrik, Elektronik, Hydraulik, brennbarer Kunststoffe, Explosivstoffe und anderer fester, flüssiger und gasförmiger Substanzen. Dazu kommt dem im sogenannten Atomzeitalter auftretenden Strahlenschutz (Dekontaminierung) eine erhebliche Bedeutung zu. Außerdem soll nicht vergessen sein, daß durch den rasanten Fortschritt der verschiedenen Verkehrsmittel und anderer technischer "Errungenschaften" das Arbeitsfeld der Feuerwehren zusätzlich wesentlich erweitert wurde. Die Wehr ist damit in vielen Städten und Dörfern zum "Technischen Hilfswerk" geworden. Allerdings spricht dafür, daß die Hilfsmittel, Maschinen, Pumpen und Ausrüstungsgegenstände, die dem Feuerwehrmann heute zur Verfügung stehen, zwar ein hohes Maß an technischem Wissen erfordern, jedoch auch eine gesteigerte Effektivität seines Einsatzes ermöglichen. Der heutige Feuerwehrmann hat also im Verhältnis zu seinem Kameraden aus dem Beginn des letzten Jahrhunderts eine viel umfassendere Ausbildung nötig, um all den auf ihn zukommenden Aufgaben gerecht werden zu können, ungeachtet dessen, was er, wie sein Vorfahre, an körperlichen, teilweise riskanten, Einsätzen ohnehin leisten muß. Nun ist der Feuerwehrmann, trotz seiner auf das Technische projizierten Ausbildung, nicht nur ein Spezialist, sondern auch Kamerad, nicht nur Einzelkämpfer, sondern auch eingegliedert in eine Gemeinschaft in einem höheren Sinn - und das verbindet ihn mit seinen Kameraden, seinen Vorfahren längst vergangener Zeiten. Deshalb feiert man ein Jubiläum.



Vorgeschichte des Feuerlöschwesens



Am Anfang stand die Gemeinschaft

Es fing an, als das Mittelalter zu Ende ging. Vorher lebte man nach dem Grundsatz: "Rette sich wer kann, jeder ist sich selbst der Nächste!" Da die meisten Häuser in Stadt und Land aus leicht brennbarem Material - Holz und Stroh - erbaut waren, hatte ein einmal ausgebrochenes Feuer oftmals verheerende Folgen und da keine organisierte Feuerwehr zu Diensten stand, endete ein solcher Brand meist mit dem Totalverlust. In größeren, eng zusammengebauten Städten kam es mitunter zu riesigen Brandkatastrophen. Wohl hatten schon die alten Ägypter und danach die Römer ein gut geordnetes Feuerlöschwesen, das sich aber im Verlauf der Völkerwanderung mehr und mehr verlor. In Rom gab es sogar während der Kaiserzeit spezielle Feuerlöschmannschaften - cohortes vigilum -, die militärisch ausgebildet waren. Erst Ende des fünfzehnten Jahrhunderts gewann das Feuerlöschwesen und die Brandverhütung in Württemberg durch einen für die damalige Zeit ungeahnten Aufschwung des Gemeinschaftsgefühls, das vom Landesfürsten sehr unterstützt wurde, an Boden. Es war Graf Eberhard im Bart, "Württembergs geliebter Herr", der 1495 zum ersten Herzog Württembergs erhoben wurde. Fast gleichzeitig erließ er die "Erste württembergische Landesordnung für die Feuerverhütung". Sie enthielt, wie der Name schon sagt, nicht viel über die Feuerbekämpfung, um so mehr aber über die Verhütung von Bränden. Man hatte sich zu dieser Zeit noch keine Gedanken über die notwendigen Mittel zur Bekämpfung ausgebrochener Brände gemacht. Dennoch war damit in unserem Land ein Anfang getan. Fast vierzig Jahre später, gerade als Herzog Ulrich seine zweite Regierungsperiode antrat, erließen verschiedene "Ämter und Städtlein", so auch Großbottwar, ihre eigene "Feuer- und Sturmordnung", die wohl auf Erfahrungen aus dem Bauernkrieg begründet war, in dessen Verlauf viele Klöster, Burgen, Herrensitze und Bauernhäuser niedergebrannt wurden. Doch auch in dieser Feuer- und Sturmordnung war die Feuerverhütung noch das wesentlichste Kapitel. Es hieß da: "Ein jeder Einwohner ward verpflichtet, seine Dienstboten mit der bestehenden Feuer- und Sturmordnung bekannt zu machen und dieselben auf sie zu verpflichten, "item alle Ehalten sollen höchsten flyß und sorg haben über feur und licht, die getreulich zu bewaren und zu versorgen, dan (denn) durch welches verwarlossen (Unachtsamkeit) schad entstehen würde, der wirt gestrafft werden an lyb und gut. Und welcher hinfüro ehalten dingt - ain oder mer, der sol yglichem diese Satzung fürhalten (ihn mit dieser Satzung bekannt machen). Welcher das nit tut, der muß erstatten, was dadurch versoumpt wirt (was dadurch entsteht)". Aber auch dem Löschwesen war schon ein Kapitel gewidmet. "Item, und desglychen sollen auch all ander, die nit besonder beschaid haben, so man sturm anschlecht an markt lauffen, das feur sey in der stat oder usserhalb, und ob es usserhalb wer, sollen sie in guter Ordnung nach beschaid des Hauptmanns, der ihnen jederzyt gegeben wird - uß- und yinziehen (aus- und einziehen)". Niemand durfte sich den Feuerlöschpflichten entziehen. Dem flinksten Helfer in Feuersnot winkte besonderer Lohn. "Item, welcher das erst Faß oder Schlitten vom wasser zu dem feur bringt, wil die stat füro geben 10 Schilling, dem andern (zweiten) sieben Schilling, dem dritten fünf Schilling". Man löschte das Feuer mit den bei den Handwerkern vorhandenen Gerätschaften. Selbst noch die Siebte Landesordnung von 1621 - im Lauf von rund einhundert Jahren sind fünf diesbezügliche Ordnungen von den jeweiligen Regierungen erlassen worden -bringt das Feuerlöschwesen auf den einfachen Nenner: "bei Feuer im Ort soll jedermann mit dem zur Dämmung und Auslöschung des Feuers dienlichen Geschirr dem Brandherde zulaufen". Man hatte inzwischen Großbottwar in fünf Viertel eingeteilt. Jedem Viertel stand ein Viertelmeister vor, zu dessen Pflichten auch das Organisieren des Feuerlöschwesens gehörte. Er hatte dann im Brandfalle die Leute einzuteilen und einzusetzen. Erst die von Herzog Carl Eugen herausgegebene "Hochfürstliche Württembergische Landfeuerordnung", die im Jahr 1752 an alle "Ämt', Städt' und Dörfer" gesandt wurde und "zur gehörigen Beachtung" aufforderte, was einem ausdrücklichen Befehl gleichkam, brachte klare Vorstellungen für das Feuerlöschwesen zu Tage, wenn auch nur mit den zu dieser Zeit zur Verfügung stehenden Mitteln. Jeder Bürger war verpflichtet, bei seiner Heirat einen ledernen Feuereimer zu beschaffen und diesen auf dem Rathaus abzuliefern. Im Nicht-Beibringungsfalle mußte eine Heirat so lange zurückgestellt werden, bis der Eimer auf dem Rathaus "sichtbar" vorhanden war oder im schlimmsten Fall ganz verweigert werden. Diese Feuereimer - mit der Zeit schwoll die Zahl auf über zweihundert an - mußten für Löschzwecke ständig an einer gut erreichbaren Stelle auf dem Rathaus zur schnellen Verfügung stehen. Darüber hinaus mußten die einschlägigen Handwerker mit ihren Geräten sofort nach Ausbruch eines Feuers zur Brandstelle eilen, die Kübler und Küfer mit ihren Butten und Gölten, die Rot- und Weißgerber mit ihren Schapfen, die Zimmerleute sollen Balken und Bretter zum Schwellen des Wassers im Ortsbach - in Großbottwar in der Großen und Kleinen Bottwar und in den Mühlkanälen - bereithalten, die Metzger und Fuhrleute mußten mit ihren Pferden und Wagen dem Rathaus zueilen und die Weiber sollten alle zusammen mit den Ledigen und dem Gesinde so schnell wie möglich zur Brandstelle kommen, um eine Kette zum Weiterreichen der Feuereimer bilden zu können. Außerdem mußten zur Winterszeit die Weiber unverzüglich zu Hause heißes Wasser machen, um das Einfrieren der Spritzen und Gerätschaften zu verhindern. Diese Löschordnung sah ferner vor, daß Rotten gebildet werden mußten, denen je ein Rottmeister vorstand, der möglichst ein Gemeinderat sein sollte. Da es auch in diesem Falle streng militärisch zuging, bekam jede Rotte eine Fahne, damit jede Rotte auch von weitem ihren Führer erkennen konnte und stets gewärtig war, von wo sie ihre Befehle zu erwarten hatte. Auch wurden die Gemeinden erstmals verpflichtet, sich Feuerspritzen zu beschaffen, sofern solche bereits angeboten wurden. Einem Löschvorgang, der mit solchen Mitteln und solchen Voraussetzungen abgelaufen ist, hat Friedrich von Schiller, der ja in dieser Zeit lebte, ein literarisches Denkmal gesetzt: Flackernd steigt die Feuersäule, durch der Straße lange Zeile wächst es fort mit Windeseile. Kochend, wie aus Ofens Rachen, glühn die Lüfte, Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren, Tiere wimmern unter Trümmern; Alles rennet, rettet, flüchtet, taghell ist die Nacht gelichtet. Durch der Hände lange Kette um die Wette fliegt der Eimer, hoch im Bogen spritzen Quellen, Wasserwogen. Heulend kommt der Sturm geflogen, der die Flamme brausend sucht. Im übrigen ging auch diese Feuerlöschordnung davon aus, daß bei einem Brand die gesamte Einwohnerschaft, ohne Ausnahme, beim Löschen helfen mußte. Dieser Grundsatz sollte neben dem Effekt auch noch eine psychologische Wirkung haben. Die Bürger eines Dorfs und auch die einer Stadt sollten sich besonders in Notlagen zusammengehörig fühlen. Es war das Gebot der Nächstenliebe, das hier praktiziert werden sollte. Ja sogar darüber hinaus sollten in solchen Lagen die Dörfer und Städte treue Nachbarschaft üben. Diese Nachbarschaftshilfe wurde dadurch dokumentiert, daß man bei größeren Bränden ein Alarmierungssystem eingeführt hatte, das den Einsatz von "Feuerreiter" vorsah. Das waren Männer, die Pferde besaßen, die dazu abgeteilt waren, im Brandfalle sofort aufzusitzen und im schnellsten Galopp in den Nachbardörfern den Ortsvorsteher und die Bürger benachrichtigen sollten und um Hilfe bitten, was in allen Fällen auch gewährt wurde. Die Hilfsmannschaften mußten dann auf dem kürzesten Weg mit Fuhrwerken transportiert werden. Darüber gab es eine genaue Vorschrift: "Die Hilfsmannschaften sind, soweit tunlich und der Entfernung wegen zweckmäßig, mittels Fuhrwerk auf den Brandplatz zu befördern." Was aber, wenn die Gemeinde keinen eigenen Spritzenwagen besitzt? - "für diesen Zweck sind in den Spritzenlokalen je zwei Sitzbretter, drei starke Prügel und sechs Stränge, welche zur Anbringung von Sitzen auf einem Leiterwagen geeignet sind, parat zu halten." Auch das Leuten der Sturmglocken war genau geregelt: "Es solle an allen Orten der nötige Unterschied in Anziehung der Glocken solcher Art und Gestalt beobachtet werden, daß man zuverläßig wissen möge, ob es in dem Orte selbst oder in der Nachbarschaft, in der Nähe oder in der Ferne brenne. Zur Hilfeleistung seien sämtliche Bürger, Beisitzer, Taglöhner, wie auch alle vorhandenen Handwerksburschen, Gesellen und Knechte verpflichtet." Das Feuerlöschen war also eine Aufgabe, die alle, ohne Unterschied der Person, anging. Als die Franzosen gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Großbottwar einfielen und das Städtle, wie auch die Dörfer in der Umgebung, brandschatzten, mußten die Bürger, um das Nötigste zu retten zusammenstehen und gegen die mutwillig verursachten Feuersbrünste ankämpfen. Das vertiefte den Gemeinschaftssinn, der dann die gegenseitige Hilfe zum Lebensinhalt machte.



Wie der König es befahl

1808 wurde die "Hochfürstliche Württembergische Landfeuerordnung" auf den neuesten Stand gebracht. Nun war Württemberg wesentlich vergrößert worden und zum Königreich avanciert. Napoleon hatte es möglich gemacht. Es war König Friedrich I. höchstselbst, der sich um die Reformen bemühte. Es war wohl nicht nur das neue Staatsgebilde der Anlaß für die Novellierung der vorhandenen Feuerlöschordnung, sondern auch manche Erfahrungen, die mit dem Löschwesen gemacht wurden und vor allen Dingen wirkte sich die inzwischen eingetretene technische Entwicklung aus. Überall im Land gab es ja die sprichwörtlich bekannten schwäbischen Tüftler, Handwerksmeister und -gesellen, die Spritzen und Pumpen und andere technischen Geräte, Schläuche und Verschraubungen und manches mehr in eigener Regie entwickelten und bauten. Die Regierung unterstützte sie, indem sie den Gemeinden vorschrieb, solche Geräte zu kaufen und auch "tunlichst" anzuwenden. Das gab den anfänglich kleinen Ein- oder Zweimannbetrieben einen erheblichen Auftrieb. Wenn auch mancher von ihnen wieder von der Bildfläche verschwand, übriggeblieben ist doch ein Stamm von Feuerlöschgeräte-Herstellern, die es zu respektablen Größen brachten. So ist es kein Wunder, daß in Deutschland, ja sogar in Europa, gerade in Württemberg - und im Nachbarland Baden, wo ähnliche Verhältnisse herrschten - sich im Lauf der Zeit eine potentielle Industrie auftat, deren Grundstock aus diesen Jahren stammte, begünstigt durch die weisen Entscheidungen der württembergischen Könige und natürlich auch durch die Bereitschaft zur technischen Weiterentwicklung in den Städten und Dörfern. So kennen wir heute Namen, wie Magirus, Metz, Bachert, Ziegler, Kurtz, Minimax, Total - um nur einige zu nennen. Andere Länder haben das gleiche nicht aufzuweisen! Dieser Gang der Geschichte hat dazu geführt, daß viele Städte in Württemberg und Baden, Städte, die sich im allgemeinen zu den reicheren zählten, bereits in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts "Pflichtfeuerwehren" gründeten, die sie mit den modernsten Geräten ausrüsteten und die dann auch mit großem Erfolg solche Maschinen einsetzten.



Die Moral

Der Stadt Großbottwar ist 1844, als wir schon kein eigenes Oberamt mehr inne hatten - dies wurde uns bei der Neueinteilung des Landes im Jahr 1806 genommen - eine neuaufgestellte Oberamtsfeuerlöschordnung von Marbach aus zugesandt worden. Stadtschultheiß Renz hat sie dann auf die hiesigen Verhältnisse umfrisiert. Die in der Marbacher Vorlage enthaltene Aufforderung, eine besondere Löschmannschaft aufzustellen, die dann auch eine spezielle Ausbildung hätte bekommen müssen, wurde von Stadtschultheiß Renz mit der Begründung abgelehnt, daß dies dem bisher geltenden Moralkodex widersprechen würde, mit dem man doch so gute Erfahrungen sammeln konnte. Das Gemeinschaftsgefühl, so meinte er, würde zerstört oder zumindest erheblich beeinträchtigt werden, wenn nicht mehr der Grundsatz gelte, einer für alle und alle für einen. Er glaube nicht daran, daß dann noch, wie bisher, "die eifervolle Hilfe" im Vordergrund stünde. So kam es in diesem Zusammenhang eigentlich nur zu einer Neueinteilung der Rotten. Die erste Rotte umfaßte die ledigen Leute aus den Vorstädten. Es gab die Obere, die Mittlere und die Untere Vorstadt. In der oberen lagen die Gebäude nordwestlich der Stadtmauer, in der mittleren befanden sich die Gebäude, die sich um die Martinskirche scharten und die westlich davon lagen und die untere wurde von den Gebäuden gebildet, die südlich und südwestlich der Stadtmauer waren. Die zweite Rotte stellten die Ledigen, die innerhalb der Stadtmauer wohnten und von der dritten bis zur sechsten Rotte wurden die verheirateten Bürger rekrutiert, die in den jeweiligen Stadtvierteln lebten, deren Einteilung durch das Straßenkreuz Hauptstraße und Lange Gasse/Kirchstraße gekennzeichnet war. Die Gemeinderäte standen den Rotten vor. Sie waren mit entsprechender Befehlsgewalt ausgestattet. Als oberster "Befehlshaber" fungierte nach wie vor der Stadtschultheiß. Nun gab es in Württemberg im Jahr 1849 einen großen Brand in Güglingen, der deutlich zeigte, wie notwendig es war, zur Eindämmung oder Löschung eines ausgedehnten Feuers die jetzt zur Verfügung stehenden Löschgeräte und die daran ausgebildeten Männer in Anspruch zu nehmen. Es hatte sich erwiesen, daß die Güglinger, auch unter Einschluß der Nachbardörfer, nicht in der Lage waren, mit dem Feuer Herr zu werden, trotz übermenschlichen Einsatzes der dortigen Wehren. Erst als man das Heilbronner Pompier-Corps zu Hilfe rief und dieses mit Spritzen und Wagen, gezogen von galoppierenden Pferden, eintraf, konnte man das Feuer löschen. Dabei muß noch berücksichtigt werden, daß dieses Pompier-Corps erst zwei Jahre zuvor gebildet wurde. Dieses Ereignis ging wie ein Lauffeuer durchs Land. Die speziell ausgebildete Löschmannschaft hatte ihre Bewährungsprobe bestens bestanden. Aus dem Nachbarland, dem Großherzogtum Baden, kam zudem noch weitere Kunde. Dort war am Abend des 28. Februar 1847 das großherzogliche Hoftheater zu Karlsruhe in Brand geraten. Beim Umgang mit dem neueingeführten Leuchtgas wurde auf unachtsame Weise die Hofloge in Brand gesetzt. Der Haupteingang und die meisten Nebeneingänge waren verschlossen und konnten auch nicht kurzfristig geöffnet werden und da das Feuer sehr rasch um sich griff, entstand eine unbeschreibliche Panik in dem fast vollbesetzten Haus. 68 Personen kamen ums Leben, über 200 wurden, zum Teil, erheblich verletzt. Die Karlsruher Zeitung schrieb dazu: "Von allen Seiten eilte Hilfe herbei, aber an eine Rettung des Theaters war gleich von vornherein nicht mehr zu denken. Das leichte Bauwesen mit seinen zahlreichen, brennbaren Stoffen brannte lichterloh und schon kurz nach 6 Uhr stand das große Gebäude in vollem Feuer. Es war ein furchtbarer Anblick, als die Flammen mächtig zum Himmel stiegen und zahllose sprühende Funken von einem schneidenden Ostwind, der bald in einen heftigen Nordwind umschlug, über die benachbarten Gebäude und Straßen bis zum Kasernenplatz getragen wurden. Alle Anstrengung war daher zunächst darauf gerichtet, die unmittelbar anstoßenden Gebäulichkeiten, wie namentlich die Orangeriegebäude, die teils nach der Stadt, teils nach dem Schlosse liegen, vor dem Feuer zu schützen. Eine besondere Anerkennung sind wir unseren wackeren Nachbarn, dem neugebildeten Pompier-Corps von Durlach schuldig, das mit einer Feuerlöschmaschine von Metz in Heidelberg die kräftigste Hilfe leistete. Dieses Corps war erst vor kurzem von dem rührigen Pompier- Capitaine und Stadtbaumeister Christian Hengst gegründet worden und unter persönlicher Anleitung des Maschinenfabrikanten Carl Metz aus Heidelberg in die Handhabung und Bedienung der von ihm gelieferten, neuartigen Stadtspritze eingeführt worden." Einen weiteren Erlebnisbericht und zugleich eine Würdigung des Durlacher Pompier-Corps findet man in einem Brief des Markgrafen Wilhelm von Baden, den er am 11. März 1847 an den ihm befreundeten Bruder des Pompiercorps-Capitain von Durlach gerichtet hatte: "Wir sind hier noch alle schwer bedrückt durch die furchtbare Katastrophe des schrecklichen Brandes, und da ich weiß, welchen Anteil Sie an mir nehmen, so will ich Ihnen das mitteilen, was mir zunächst vor der Seele schwebt. Zunächst muß ich Gott danken, daß der Brand nicht eine halbe Stunde später zum Ausbruch kam, denn schon war der Wagen angespannt, der meine Frau ins Theater bringen sollte. Da nun das Feuer in dem kleinen Kabinett hinter unserer Loge ausbrach, so denken Sie sich die Gefahr, in der meine Frau geschwebt hätte. Ich eilte gleich auf die Brandstätte, wo noch wenige Personen waren. Mein Augenmerk ging nun dahin, den Gang, der das Theater mit dem Schlosse verbindet, abhauen zu lassen. Mein Bruder Max drang noch bis zur großen Loge vor, fand aber niemand mehr dort, so daß wir alle glaubten, jedermann habe sich gerettet. Ich schickte Ordonanzen nach Durlach und Mühlburg um Hilfe. Von den drei ersten Spritzen, die kamen, brachen gleich zwei, die unbrauchbar wurden. Während diesem schlug die Flamme schon haushoch empor. Der sehr heftige Wind trieb die Funken über das neue Gebäude der Galerie und sogar bis auf den Kasernenplatz. Es war ein schrecklicher Augenblick, da kam denn Hilfe von allen Seiten. Ihr Bruder mit dem durch ihn neu errichteten Pompier-Corps übernahm es, die Orangerie zu retten, die zwischen dem Theater und der Staatskasse steht. Mit der größten Hingebung und dem angestrengtesten Eifer wurde dieses Haus gerettet, wodurch die Stadt vor weiterem Unglück bewahrt wurde. Ihr Bruder, sowie seine Durlacher erwarben sich dadurch die allgemeinste Anerkennung, und das von ihm organisierte Pompier- Corps wird nun in allen Städten nachgeahmt werden. Es ist mir ein wahrhaftiges Bedürfnis, Ihnen das Lob Ihres Bruders auszusprechen, und faßte ich schon auf der Brandstelle den Entschluß, Ihnen zu schreiben. Einige Tage nachher wohnte ich in Durlach einer Probe jenes Pompier-Corps bei, die sehr günstige Resultate lieferte." In vielen Zeitungen erschienen ausführliche Berichte dieser Brandkatastrophe. Christian Hengst und sein Corps wurden über Nacht berühmt. Man sprach von einem Durchbruch im Feuerlöschwesen. Eine große Zahl von Delegationen aus fast allen größeren Städten Württembergs und Badens erschienen in Durlach und ließen sich bei einer "Generalfeuerprobe" vorführen, wie mit den heutigen Mitteln Brände gelöscht werden können. Aber nicht nur in den Städten, auch überall auf dem Land, ging man nun daran, die Konsequenz aus diesen Vorgängen zu ziehen. Dies bedeutete, Feuerwehren zu gründen, denen man eine gute, zweckmäßige Ausbildung zuteil werden lassen konnte und die mit modernsten Geräten ausgerüstet werden mußten. In Großbottwar, und in vielen anderen Kleinstädten und Gemeinden, kam es aber erst im Jahr 1863 zur Gründung einer Pflichtfeuerwehr, weil vorher noch administrative, personelle und finanzielle Hindernisse überwunden werden mußten.



Geschichte der Großbottwarer Feuerwehr 1863 – 1945



Die Pflichtfeuerwehr

Das Feuerlöschwesen in der neuen Form, so wie es sich aus den Erfahrungen und den technischen Entwicklungen der Mitte des letzten Jahrhunderts darstellte, hatte es schwer, sich durchzusetzen. Noch im Jahr 1854 hatte es Stadtschultheiß Renz nicht für richtig gehalten, in Großbottwar eine extra ausgebildete Feuerwehr zu etablieren. Er kam von dem Gedanken der Notgemeinschaft nicht los, bei der jeder Mensch dem ändern zu helfen habe. Diese Einstellung machte es natürlich unmöglich, neuentwickelte technische Geräte in Anwendung zu bringen, denn diese setzten eine gut ausgebildete Spezialmannschaft voraus. Renz stand mit seiner Meinung nicht allein im Lande. Nun muß man allerdings auch die Lebensumstände, die in dieser Zeit vorherrschten, berücksichtigen. Der unter Stadtschultheiß Renz amtierende Verwaltungsaktuar Gottlieb Kübler gibt uns ein anschauliches Bild in einer Darstellung aus dem Jahr 1854: "Durch anhaltenden Regen unmittelbar vor der Ernte wachsen die Früchte an den Garben und den Halmen aus. Das Mehl läßt sich schwer zu Brod verbacken und sonst verwenden. Einfuhr von amerikanischem Weizen. Die Kartoffelkrankheit tritt besonders verheerend auf und steigert die Noth. 1853 und 1854 viele Gantungen. 1854 Theuerung und allgemeine Credit- und Verdienstlosigkeit. Die ärmere Classe hat viele schlechte Nahrungsmittel und genießt namentlich Angersen und Kräuter, welche Erkrankungen zur Folge haben. Schnecken werden in großer Menge, aber nicht als Leckerbissen, verspeist. Die Haushaltungen kommen herunter. Zur Erhaltung des Leibweißzeugs und der Kleidungsstücke fehlen die Mittel. Unreinlichkeit tritt ein und zuletzt die Kräze. Der Häußerbettel wird hier förmlich organisiert, der Kinderbettel ebenfalls. Die Güter werden zu Spottpreisen verkauft." 1855 wird, nach dem Tod von Stadtschultheiß Renz, Gottlieb Kübler zum Stadtschultheißen gewählt. Aber auch er, obwohl allem Neuen zugetan, kann nicht aus dieser Not herauskommen, schon gar nicht teure Feuerlöschgeräte kaufen. In den folgenden Jahren hatte sich der Zustand zwar etwas gebessert, aber zunächst waren, wie Kübler sich ausdrückte, "die Gemeindeschulden zu bezahlen". Er schreibt dazu: "1857 gewinnt der Tabackbau hier einiges Leben. Die Erzeugnisse sind schön und gut. Das Herabsinken der Preise erlahmt aber den Eifer in den folgenden Jahren. Die Tabackcultur wird zuletzt ganz aufgegeben. 1857 viel und gutes Obst. Die Gemeinde erlöst trotz der Menge, aus dem Ertrag der städtischen Allmand etwa 1100 Gulden. Vorzüglicher Wein und viel. Steigerung der Güterpreise. 1858 wieder guter und viel Wein. Der Wohlstand nimmt in erfreulicher Weise zu. 1859 abermals alles gut geraten. Glücklicher Herbst. Viel und feuriger Wein. Aufhebung des Naturalfrohnwesens. Längstersehnte Abzahlung der Gemeindeschulden, insbesondere in Folge der schätzenswerten Nutzungen aus den Gemeindewaldungen und der stets glücklichen Verwertung der Hölzer. 1860 erlebt Großbottwar in Folge der soeben angeführten günstigen Verhältnisse zum ersten Male Aufhebung des Gemeindeschadens." Dann muß er aber von einer neuen großen Not berichten: "In diesem Jahr wurden wir hier dreimal von Gewitterschaden heimgesucht. Das schrecklichste Gewitter entlud sich in der Richtung von Höpfigheim gegen den Wunnenstein und Köchersberg am Freitag, dem 31. August nachmittags 3 Uhr. Auf eine seltene Schwüle erfolgten Hagelschauer und brach ein Orkan aus, welcher Menschen, die auf dem Felde waren, für ihr Leben bange machte. Viele suchten sich an Baumstämmen durch Umklammern derselben zu halten, mußten aber diese Zufluchtstätte schnell wieder verlassen, indem der Sturm im nächsten Augenblick den stärksten Stamm, der mit einer Fülle von Obst beladenen Bäume, wie einen Halm zerbrach. Die Straße gegen Winzerhausen war nicht mehr befahrbar. Gegen 70 % der ertragreichsten Bäume mußten der gewaltigen Macht des Elements weichen und verbarrikadierten teils völlig entwurzelt, teils abgeschnellt und zerschlitzt die Passage. Der Hagel lag überall aufgehäuft von zackigen, welschnußgroßen und zum Teil hühnereigroßen Eisstücken. Auf diesem Markungsdistrikt zeigte sich überall das schrecklichste Bild der Verwüstung, welches dem bangen und verstummten Beschauer die Augen netzte. Gegen 400 bis 500 Obstbäume mochten ihren Ruin gefunden haben. In der Forchenwaldung ob dem Hochberg hatte der Sturm solche Verheerungen angerichtet, daß außer den Stammhölzern, 170 Klafter Holz und etwa 12 000 Wellen zum Aufbereiten und Verkauf kamen." Trotz all dieser Schwierigkeiten hatte es Gottlieb Kübler für notwendig erachtet, die Sache "mit der Feuerwehr" voranzutreiben. Auf Grund aller vorangegangenen Feuerordnungen, die teils vom Land, teils von der Regierung des Neckarkreises und teils vom Oberamt Marbach erlassen wurden, blieb die notwendige Initiative zur Bildung, Ausrüstung und Ausbildung einer Feuerwehr beim Stadtschultheißen hängen. Das Stadtoberhaupt war die höchste Instanz der Feuerwehr am Ort - und ist es bis heute geblieben. Nach mancherlei Erkundungen über technische Geräte und andere Einrichtungen hatte sich Kübler entschlossen, gleich zu Beginn des Jahres 1863 eine Feuerwehr zu gründen. Das geltende Recht kam ihm dabei zu Hilfe. "Jeder männliche Einwohner zwischen seinem 18. Und 50. Lebensjahr ist dienstverpflichtet bei der örtlichen Feuerwehr." Schultheiß Kübler hatte den Büttel angewiesen, durch Ausschellen in allen Straßen und Gassen bekanntzugeben, daß alle männlichen Bürger und auch Gesinde aufgefordert sind, am 9. Februar dieses Jahres um 5 Uhr abends im Bürgersaal des Rathauses zu erscheinen. Wer nicht pünktlich ist, hat eine empfindliche Strafe zu erwarten. Befreit davon kann nur werden, wer durch ein amtsärztliches Attest schwere körperliche Gebrechen nachweisen konnte. Der Amtsarzt war seinerseits angewiesen, nur in ganz außergewöhnlichen Fällen, eine Befreiung auszustellen. Dichtgedrängt standen pflichtgemäß die Männer am besagten 9. Februar im Bürgersaal. Stadtschultheiß Kübler gab die zwei Wochen zuvor aufgestellten und genehmigten Feuerwehrstatuten der Kreisregierung des Neckarkreises bekannt. Darin hieß es unter anderem: + Jeder Feuerwehrmann hat strengsten Gehorsam zu beachten. + Er hat gegenseitiges freundschaftliches Benehmen zu erweisen. + Er muß zu jeglicher Hilfestellung bereitwillig sein. + Er darf den ihm angewiesenen Posten niemals ohne ausdrücklichen Befehl verlassen. + Er muß die ihm im Dienst überlassenen Gerätschaften pfleglich behandeln und, so gut es geht, schonen. + Er muß die ihm anvertrauten Monturen stets sauber und geordnet halten. + Er muß durch Werk und Tat den Corpsgeist fördern. + Er hat jederzeit militärische Haltung und Disziplin zu wahren. Mit Strafen, die der Gemeinderat verhängen konnte, waren bedroht: + Unfolgsames Benehmen, + die Feuerwehr und die Stadt schädigendes und unpassendes Benehmen, + Zuwiderhandlungen gegen die allgemeinen Feuerwehrstatuten. Das Strafmaß erstreckte sich vom einfachen Verweis bis zu mehrwöchentlichen Gefängnisstrafen. Es handelte sich also nun um eine Pflichtfeuerwehr, die nach damals geltenden, streng-militärischen Grundsätzen aufgebaut war. Dies zeigte sich auch in der Organisationsform der Wehr. Außer dem Stadtoberhaupt, das ständig der unumschränkte Herrscher blieb, gab es noch einen Hauptkommandanten, der zu wählen war und der für den Einsatz und die Disziplin volle Verantwortung trug. Der erste Hauptkommandant, der noch in der Gründungsversammlung gewählt wurde, hieß Jakob Feil. Er war Gemeinderat, Bürger und Weingärtner. Seine Wahl mußte vom Gemeinderat und dem Oberamtmann in Marbach genehmigt werden. Das Amt des Hauptkommandanten wurde sehr wichtig genommen. Einige Tage nach dem Versammlungstermin wurde, nachdem die schriftliche Bestätigung vom Oberamt eingetroffen war, der erstgewählte Hauptkommandant Jakob Feil in einem feierlichen Akt vereidigt.



Der Eid des Hauptkommandanten

Unmittelbar nach der Gründung der Pflichtfeuerwehr im Februar 1863 wurde im März in einem feierlichen Akt die Vereidigung des Hauptkommandanten Jakob Feil vorgenommen. Stadtschultheiß Kübler hat den Vorspruch und die Eidesformel vorgetragen: (Vorspruch): Sie als von der Feuerwehrmannschaft mit Stimmenmehrheit vorgeschlagener, vom Gemeinderath bestellten und sofort vom Königlichen Oberamt bestätigten Hauptmann der hiesigen Gemeinde-Feuerwehr werden einen feierlichen Eid zu Gott, dem Allmächtigen, schwören: (Eid): Seiner Königlichen Majestät, unserem allergnädigsten König und Herrn getreu und gehorsam zu sein und alle Obliegenheiten Ihres Berufes nach Vorschrift der Gesetze und Verordnungen, nach Ihren statutenmäßigen Instruktion und nach den Weisungen Ihrer Vorgesetzen mit Eifer, Fleiß und Genauigkeit zu erfüllen. Insbesondere geloben Sie, Alles dazu beizutragen, was zur Erhaltung der Ordnung und zum Zusammenhalt Ihres Corps dienen kann, über Ihre Mannschaft die vorgeschriebene Liste zu führen, die Verwaltung sämtlicher der Feuerwehr zur Verfügung gestellten Gerätschaften zu überwachen, Versäumnisse und Vergehen Ihrer Untergebenen nach Maßgabe der Instruktion zu rügen, beziehungsweise mögen zu lassen, die Mannschaft in steter Übung zu erhalten, durch Ihr eigenes besonnenes, anständiges, freundliches und friedfertiges Benehmen ein musterhaftes Vorbild Ihrer Mannschaft zu sein. Ferner geloben Sie bei vorkommenden Brandfällen, seie es innerhalb oder außerhalb des Ortes Ihre Mannschaft so rasch als möglich zur Hilfe zu sammeln, beziehungsweise sammeln zu lassen. Ihre Mannschaft ohne Noth der Gefahr nicht auszusetzen, also augenscheinliche lebensgefährliche Probestücke und Rettungsversuche weder zu gestatten, noch viel weniger zuzumuthen und schließlich das Interesse des Staates, der Gemeinde, der Brandversicherungsanstalten und der Privaten in allen Theilen und zu jeder Zeit nach bestem Wissen und Gewissen im Auge zu behalten und zu wahren. Sie sprechen mir nun mit den ausgestreckten drei ersten Fingern der aufgehobenen rechten Hand die Worte nach, die ich Ihnen vorsagen werde: "Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe!" Hauptmann Jakob Feil hat diesen Eid stets sehr ernst genommen und ihn 25 Jahre lang treu erfüllt.



Militärische Ordnung und Ausrüstung

Die Einteilung der Feuerwehr erfolgte analog militärischer Formationen, wie überhaupt sich der Dienst in der Wehr dem des Militärs ziemlich genau angepaßt wurde. Ein Teil der ersten Großbottwarer Feuerwehrleute hatte zuvor "gedient", das heißt, sie waren gemäß den damals geltenden Rekrutierungsgesetzen "gezogen" worden und hatten demnach einen sechsjährigen Militärdienst hinter sich. Diese Leute waren natürlich innerhalb der Wehr besonders privilegiert. Die Monturen waren ebenfalls dem militärischen Schnitt angepaßt. Die Stadt hatte 400 Ellen gutes, leinenes Drillichtuch gekauft und die Großbottwarer Schneider waren wochenlang damit beschäftigt, die Feuerwehrleute einzukleiden. Die Mannschaftsdienstgrade erhielten schwarzlackierte Helme in "antiker Römerform", die Helme des Hauptkommandanten und der Abteilungskommandanten waren aus Messing. Der Hauptkommandant trug zudem noch einen Helmbusch, wie die Offiziere des Ludwigsburger Dragonerregiments. Die Tamboure wurden mit zwei gefärbten schafledernen Schnüren gekennzeichnet. Es war eine prächtige Wehr! Dem Hauptkommandanten stand ein Stab zur Seite, bestehend aus dem Stellvertreter, dem Kassier und Geräteverwalter, drei Hornisten, einem oder zwei Tamboure (Trommler) und einem Arzt. Die übrige Wehr war aufgeteilt in die Steigerabteilung die Retterabteilung die Flüchtungsmannschaft die Spritzenmannschaft die Erste Buttenmannschaft die Zweite Buttenmannschaft und die Wachmannschaft. Die einzelnen Abteilungen wählten ihre Abteilungskommandanten und deren Stellvertreter selbst in geheimer Wahl. Der Gemeinderat mußte die Wahlen bestätigen und anerkennen. Für die Finanzen der Feuerwehr war ein Verwaltungsrat unter Vorsitz des Stadtschultheißen zuständig. Es wurde eine gesonderte Feuerwehrkasse gebildet, die von der Stadtpflege unabhängig war, aber genauso der gemeindlichen Prüfungspflicht unterlag. Alle Beschaffungen von Geräten, Uniformen und dergleichen liefen ausschließlich über diese Kasse. Es wurde ein Kassenbuch geführt, das im Lauf der Jahre viele Auflagen erlebte. Für die Nachwelt ist es amüsant nachzulesen, wie die jeweiligen Finanzierungsprobleme den politischen Veränderungen angepaßt werden mußten. Besonders hatte die im Jahr 1875 befohlene Umstellung von Gulden auf Mark großen Kummer bereitet, da man den Gulden mit der ungeraden Zahl zu einer Mark und sechsundsiebzig Pfennige handelte. Mit dem Datum vom 10. Februar 1863, also einen Tag nach der Gründung der Feuerwehr, mußten die bisher in der Stadt vorhandenen Ausrüstungsgegenstände übernommen werden. Es handelte sich aber nur um "antiquarische Dinge". Kaum noch zu benützen waren die beiden Feuerspritzen der Baujahre 1747 und 1775, also 116 und 88 Jahre alt. Eine dritte Spritze hatte man im Jahr 1710 von einer Werkstätte in Biberach bei Heilbronn zum Preis von 300 Gulden gekauft. Sie war für den Einsatz in Kleinaspach vorgesehen, das damals zum Amt Bottwar zählte. Kleinaspach sollte sich mit einem Sechstel an den Kosten beteiligen, brachte aber nur 44 Gulden auf. Über 200 Jahre später fand man diese Spritze in einem kleinen Weiler der Gemeinde Kleinaspach leise vor sich hinrostend wieder. In dem im Schulhaus, der ehemaligen Allerheiligenkirche, eingerichteten Gerätemagazin lagerten 4 Leitern aus Holz, 48 Butten, 8 Wasserschapfen, 44 Feuereimer aus Leder, 1 Feuerwagen, 3 Feuerhaken und eine Handfeuerspritze "zur leichten Bedienung". Der Hauptkommandant nahm diese Gerätschaften "bedrückt" in Besitz, stellte aber sofort den dringenden Antrag, wesentlich besseres und moderneres Material zu bekommen, wenn er seinem Auftrag auch nur annähernd gerecht werden könne. Zunächst hatte man aber, um eine kostspielige Neuanschaffung zu vermeiden, dem Glockengießer und Feuerspritzenfabrikant Heinrich Kurtz in Stuttgart den Auftrag erteilt, ein Gutachten über die alten Spritzen zu erstellen. Dieser reiste mit der Postkutsche an und hatte schon nach wenigen Minuten sein Gutachten fertig. Vier Tage später traf es handschriftlich in Großbottwar ein. Es war vernichtend. Es gipfelte in dem Satz, daß es sich um antiquitierte Stoßspritzen handele, die mehr Schaden als Nutzen erbrächten, da bei jedem Stoß zuvor Luft ins Feuer geblasen werde und dasselbe dadurch mehr angefacht würde und erst danach Wasser folge. Der Löscheffekt wäre damit sehr in Frage gestellt, meinte er. Zugleich mit diesem Gutachten bot Heinrich Kurtz seine neuentwickelte Saugfeuerspritze auf Rädern an. Dem Hauptkommandanten Jakob Feil, sämtlichen Abteilungskommandanten und selbst dem Stadtschultheißen Kübel war sofort klar, daß man in Großbottwar eine solche Spritze benötige, aber dem Feuerwehrverwaltungsrat war ebenso klar, daß er dazu kein Geld hatte. Also kam man überein, alles in Bewegung zu setzen, um von irgendwoher Zuschüsse zu bekommen. Dieses Verfahren gilt auch heute noch. Seit 1773, gegründet und gefördert durch Herzog Carl Eugen und unterstützt durch den Rentkammerpräsidenten Friedrich August Freiherr von Hardenberg, bestand die Württembergische Gebäudebrandversicherungsanstalt. An diese wandte man sich zuerst mit dem einleuchtenden Gedanken, daß der am meisten Interesse an der raschen Bekämpfung eines Brandes haben müsse, der für den Schaden aufkommen müsse. Außerdem gab es inzwischen eine Berlinische und eine Württembergische Feuerversicherung. Diese und noch das Oberamt in Marbach ging man ebenfalls an und - o Wunder - sie sandten Geld. So konnte man 1865 bei Heinrich Kurtz die Saugfeuerspritze kaufen. Das war ein großer Fortschritt. Zusammen mit der neuen Technik mußte nun auch die Ausbildung der Wehr vorangetrieben werden. Das fing schon an mit der Alarmierung der Leute. Der Tambour, der zum Stab gehörte, war der den Alarm auslösende Mann. Sofort nach den ersten Schlägen des Trommlers - "Sturmschlagen" nannte man das - mußten die Glöckner der Martinskirche, des Rathauses und der Schule ihre Glocken läuten und zwar nach der "Sturmart", das heißt, durch mehrmaliges Läuten und Absetzen. Die Hornisten liefen dann durchs Städtle und bliesen, wie beim Militär, zum Sturm. Die Pferdebesitzer hatten sich als Feuerreiter bereit zu halten. Wenn auswärtige Hilfe von Nöten war, mußten sie die Orte Oberstenfeld, Winzerhausen, Mundelsheim, Höpfigheim, Kleinbottwar, Steinheim und Murr auf dem schnellsten Wege zu erreichen versuchen, um dort die Leute zu alarmieren. Außerdem war ein Reiter immer dazu abgeteilt, die Feuermeldung beim Oberamt in Marbach anzubringen. Im Mai 1863 hatte Stadtschultheiß Kübler eine Lokalfeuerlöschordnung verfaßt. Sie lehnte sich im Wesentlichen an die Grundzüge der Oberamtsfeuerlöschordnung an, enthielt aber einige direkt auf Großbottwarer Verhältnisse bezogene Anweisungen. Zusammen mit den ebenfalls erstellten und genehmigten Statuten der Wehr waren beide Schriftstücke für die Feuerwehrmänner bindend. Es wurden aber auch weiterhin die nicht zur Feuerwehr gehörenden Einwohner zur Hilfeleistung im Brandfalle aufgerufen. Dies bezog sich insbesondere auf die "Weibsleut". Sie mußten mit Gölten und Kübeln am Brandherd erscheinen und - bei strenger Kälte im Winter - "heißes Wasser machen", um die Spritzen nicht einfrieren zu lassen. Den Feuerwehrleuten war in dieser Löschordnung bei Strafe verboten, solange es brennt, Alkohol zu trinken, auch dann nicht, wenn sie diesen zur Stärkung oder zur Erfrischung benötigen würden. Die Wachmannschaft hatte zweierlei Dienste auszuführen. Erstens sollte sie die Löscharbeiten und den gesamten Einsatz der Feuerwehr schützen, das heißt, Schaulustige und "ungebetenes Gesindel" vom Brandplatz fernhalten und zweitens das niedergebrannte Feuer, die verkohlten Reste, beaufsichtigen, um bei eventuellen Rückzündungen sofort wieder Alarm schlagen zu können. Hinzu kam noch das von der Flüchtungsabteilung aus den Häusern gesicherte Gut, das auf den markierten Flüchtungsplätzen zusammengetragen wurde, zu bewachen. Die Wachmannschaft, die sich auch Bürgerwache nannte, war entsprechend bewaffnet. Jeder Wachmann erhielt ein Unter- und ein Obergewehr und wurde auch daran ausgebildet. Es waren Musketen, also Gewehre des Vorgängertyps vom Gewehr 98 "lang" und Bajonette, die im Bedarfsfall aufgepflanzt werden konnten. Letzteres taten sie sehr ausgiebig, weshalb man sie im Volksmund "die Stupfer" nannte. Sie hatten diese Waffe besonders dann angewandt, wenn vorwitzige Buben oder Frauen sich bei einem Brand oder einer Übung zu nahe an den Tatort wagten. Ungeniert "stupften" sie diesen in den Hintern, was meist ein lautes Geschrei hervorrief. Anstelle des Helmes trugen die Männer der Wachmannschaft Mützen. Die Montur war aus einem dunklen Linnen gefertigt und vornehmerweise hatten alle Männer der Bürgerwache Querbinder um einen weißen Kragen gebunden. Um ihre Abkommenschaft vom Militär zu verdeutlichen, erhielt der Kommandant der Bürgerwache die Dienstbezeichnung "Lieutnant". Das Exerzieren mit der Waffe wurde gemäß dem Infantriereglement durchgeführt, doch war und blieb die Wachmannschaft ein integrierter Teil der Feuerwehr. Der Lieutnant Heinrich Pfizenmayer und sein Vicelieutnant Michael Eisenmann gaben dieser absonderlichen Truppe den ersten Schliff. Es ist vermerkt, daß beide "verdienstvoll unter dem Militär gedient" hätten und dort mit den "nötigen Kenntnissen" vertraut gemacht worden wären.



Wasser ist zum Löschen da

In der Lokalfeuerlöschordnung war festgelegt, wie und wo man das für das Löschen so notwendige Wasser sammeln und aufnehmen kann. Es gab ja noch keine im Boden verlegte Wasserleitung. Zur Verfügung standen nur die im Städtle und drum herum liegenden Brunnen, die aber allesamt nicht so ergiebig waren, daß sie in einem Ernstfall ausgereicht hätten. Um dem zu begegnen, waren einige Mitglieder der beiden Buttenabteilungen beauftragt, das Schwellen des Wassers der Großen und der Kleinen Bottwar sowie der Mühlkanäle vorzunehmen. Dafür standen ihnen Holzbalken, Bretter und verschiedene Bindemittel zur Verfügung, die sie an vorbezeichneten Stellen, meist vor den Brücken, als Stell-Fallen anzubringen hatten. Die Müller mußten auf Befehl die Fallen ihrer Wasserläufe ziehen. So war eigentlich alles auf das Beste geregelt und in vielen Übungsstunden einexerziert worden. Großbottwar war nach menschlichem Ermessen gut gesichert. Es hatte zu dieser Zeit 2600 Einwohner. 362 Gebäude standen innerhalb und außerhalb der Stadtmauer. Die Brandversicherungssumme betrug 273 000 Gulden. Dieser Betrag galt als Grundlage für die zu zahlenden Versicherungsprämien, denn schon von Anfang an, im Jahr 1773, bestand die staatliche Brandversicherung als Pflicht jeden Hausbesitzers, deshalb war es wohl auch möglich, daß sich die Brandversicherungskasse bei den Kosten für die Saugfeuerspritze, die 3200 Gulden kostete, mit 150 Gulden beteiligte. Zum Vergleich dazu sei erwähnt, daß sich im Jahr 1863 das Haushaltsvolumen der Stadtpflege auf 44 000 Gulden belief. Der Einsatz der neuen Saugfeuerspritze brachte einige Änderungen mit sich. Man benötigte ab sofort Schläuche und, um diese zu transportieren, einen Schlauchwagen. Eine Abteilung der Buttenträger mußte umfunktioniert werden in eine Abteilung für Schlauchleger. Letztere wurde gut beschäftigt, denn nach jeder Übung mußten die Schläuche zum Trocknen aufgehängt werden. Zuerst hatte man dafür das Rathaus zweckentfremdet. An einer Vorrichtung, die an einem Fensterladen des oberen Stockwerks angebracht war, hingen dann die Schläuche vor der Rathauswand und verdeckten die Uhren, den Storch und das Schultheißenzimmer. Das behagte dem Stadtschultheißen nicht lange, weshalb er schon bald verfügte, daß die Schläuche künftig an dem Schulgebäude aufzuhängen wären. Im Jahre 1885 war es nötig, die alte Landesfeuerlöschordnung und zwei Jahre später auch die 1863 aufgestellte Lokalfeuerlöschordnung zu überarbeiten, um sie dem fortgeschrittenen technischen Stand anzupassen. In Großbottwar lief es darauf hinaus, die Spritzenmannschaft neu zu organisieren, den Einfluß der Schlauchleger zu definieren und die Flüchtungsplätze neu festzulegen. Als solche waren festgeschrieben: die Barrwiese an der Kleinbottwarer Straße (im Pfarrbesitz) und der Zugang dazu "zum unteren Tor hinaus". der Kirchhof und der Murrhardter Pfleggarten und Zugang zum "mittleren Tor hinaus" (Türlinstor). die Wiesen bei der Eselsmühle, die Pfarräcker und Zugang für beide zum "oberen Tor hinaus". Es ist interessant, daß bei den Zugängen noch von den Toren gesprochen wird, obwohl alle schon über 50 Jahre vorher abgebrochen worden sind! Ferner wurde in der Neuordnung verankert, daß als zusätzlichen Schwellplatz die Mündung der Kleinen Bottwar in die Große festgelegt wird und der Schleif- und Lohmüller Stigler sich verpflichtet, dort die notwendigen Schwellarbeiten zu bewerkstelligen. Des Weiteren wurde einem gravierenden Übel dadurch begegnet, daß die Feuerwehr von nun an mit Erdölfackeln ausgerüstet wurde. Es wird ausdrücklich erwähnt, daß das Zurechtfinden der Wehrmänner bei nächtlichen Übungen, insbesondere bei Neumond oder bewölktem Himmel, sehr erschwert sei und man darüberhinaus auch noch den städtischen Lampenanzünder anweisen müsse, sowohl bei einem Brand als auch bei einer Übung unverzüglich die Lampen anzuzünden.



Der Hauptkommandant

Am 9. Februar 1888 bestand die Pflichtfeuerwehr von Großbottwar 25 Jahre. Ebenso lang stand Jakob Feil, Gemeinderat und Weingärtner als Hauptkommandant der Feuerwehr vor. Vom Gründungstag an setzte er seine Kraft, sein Können, kurzum seine ganze Persönlichkeit in den Dienst der Allgemeinheit. Geboren wurde er am 24. Juni 1829 und war jetzt, an diesem Jubiläumstag, fast 59 Jahre alt. Das "Feuerwehralter" hatte er längst überschritten, doch die Feuerwehr konnte und wollte nicht auf ihn verzichten. Er war eng mit seinen Männern verbunden. Aber nun ging es nicht mehr. Seine Gesundheit ließ sehr zu wünschen übrig. Schweren Herzens entschloß er sich, eine Eingabe an den Stadtschultheißen und den Gemeinderat zu machen und um seine Entlassung zu bitten. Um die Sache ganz korrekt durchzuführen, ließ er sich zuvor ein Attest des Arztes ausstellen. In diesem ärztlichen Zeugnis wurde er mit dem ihm verliehenen Ehrentitel "Hauptmann" angeredet. Die Bescheinigung über seinen Gesundheitszustand wurde am 27. März 1888 von Dr. Ehebald, der als prakt. Arzt sich in Großbottwar niedergelassen hatte und zugleich Feuerwehrarzt war, ausgestellt. In ihm wurden mehrere Gebrechen aufgeführt, wovon jedes einzelne ausgereicht hätte, von einer Überforderung durch einen weiteren Dienst in der Feuerwehr abzuraten. Der Arzt hatte daher für ein Ausscheiden aus dem Feuerwehr- Verband plädiert. Jakob Feil sah sich daher gezwungen, sein Entlassungsgesuch unmittelbar danach einzureichen. "Gemeinderath Feil, der schon 25 Jahre die Leitung der hiesigen Feuerwehr als Kommandant die Ehre hatte, bittet einen Wohllöblichen Gemeinderath wegen Gesundheitsrücksichten ihn von derselben zu entlassen, zumal ich schon seit einigen Jahren an belegtem ärztlichen Krankheitsnachweis leide, welches sich seit einem halben Jahr verschlimmert hat, indem ich im Monat Juni d.J. das 59. Lebensjahr zurückgelegt und somit nach dem neuen Feuerwehrgesetz hätte nicht mehr in Anspruch genommen werden können und daher manches Opfer in dieser Reihe von Jahren gebracht habe, glaubt der Bittsteller, daß ein Wohllöblicher Gemeinderath seiner Bitte entsprechen dürfte. "Hochachtungsvoll Gemeinderat Feil." Dieses Gesuch wurde dem Gemeinderat unter Abwesenheit von Jakob Feil am 14. April 1888 zur Beschlußfassung vorgelegt. Und so lautete der Beschluß: 1. Die Entlassung des Feuerwehrkommandanten J. Feil zu bewilligen, solche jedoch erst nach eingetretener Neuwahl und Bestätigung und Einsetzung seines Dienstnachfolgers zum Vollzug kommen zu lassen 2. Dem Bittsteller, welcher seit Konstituierung der hiesigen Feuerwehr (im Jahr 1863) ununterbrochen die Kommandantenstelle derselben versehen hatte, hierfür gebührenden Dank und Anerkennung auszusprechen. Zur Beurkundung: Kübler, Fink, Maier, Pfizenmaier, Weigle, Popp, Kranich, Reuschle, Pantle I, Pantle II, Bertsch II. Die am 8. Mai 1888 erfolgte Wahl des Nachfolgers fiel auf den Werkmeister und Oberamtsstraßen-Meister Carl Schwammberger. Mit dem Ausscheiden von Jakob Feil ging eine Ära der Feuerwehr zu Ende, die gekennzeichnet war von einer Phase des Aufbaus und der Ausbildung, deren Ziel es war, eine gemäß den damaligen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln schlagkräftige Wehr zu gestalten. Und das war gelungen. Für seine treuen Dienste erhielt Jakob Feil das von Seiner Majestät gestiftete Feuerwehrehrenzeichen verliehen. Jakob Feil hatte mit seinem Dienstherrn, dem Stadtschultheißen Kübler, ein gutes, ja herzliches Verhältnis herstellen können. Sie verstanden sich ausgezeichnet. So fiel es Kübler gar nicht leicht, einen so guten Sachwalter entlassen zu müssen. Aber auch er war inzwischen alt geworden. "Wieviel Jahre werden wir beide noch vor uns haben?" fragte der Schultes beim Abschied seinen Freund. Jakob Feil erlebte noch die Jahrhundertwende. Er starb am 7. August 1900 und überlebte damit den Stadtschultheißen Kübler um 7 Jahre.



Der schwere Dienst

Bei einer solch großen Zahl von Feuerwehrmännern, wovon ja alle einen Beruf, teilweise sogar einen recht schweren, und die meisten eine Familie hatten, war es natürlich schwierig für den Kommandanten, allen Belangen der Einzelnen Rechnung zu tragen. Es waren viele darunter, die gravierende körperliche Beschwerden hatten, die sich im Laufe der Jahre noch verstärkten. Vom Schultheißenamt wurden immer wieder Aufrufe im "Bottwartal- Boten" veröffentlicht, in denen die Leute zur Einhaltung ihrer Pflicht gemahnt wurden. So zum Beispiel am 1. Juni 1888: Großbottwar Feuerwehrsache Der Angehörige einer Pflichtfeuerwehr, welcher bei einem Brandfalle, bei dem er zur Hilfeleistung verpflichtet ist, oder bei einer Uebung, zu der er ordnungsmäßig, d.h. durch rechtzeitige Bekanntmachung berufen wurde, ohne ausreichende Entschuldigung nicht oder nicht ordnungsmäßig erscheint, oder welcher den dienstlichen Anforderungen der Führer nicht Folge leistet, unterliegt der für die Fälle der § 368, Z.8 des Strafgesetzbuches festgesetzten Strafe. Die Entschuldigungsgründe sind spätestens am dritten Tage nach dem Ausbleiben den betreffenden Kommandanten schriftlich vorzubringen. Geschäftsverhinderung eines im Wohnort Anwesenden oder eines vom Wohnort Abwesenden, wenn die Vornahme einer Uebung noch während seiner Anwesenheit im Wohnort bekannt gemacht wurde, gilt in der Regel nicht als Entschuldigungsgrund. Lokalfeuerlösch- Ordnung § 10 Abs. 4. Feuerwehrübungen an Sonn- (und Fest)-Tagen, zu welchen hie und da wird gegriffen werden müssen, sind blos während des vormittägigen Haupt-Gottesdienstes und einer halben Stunde vorher gesetzlich untersagt. Das nicht genügend und nicht rechtzeitig entschuldigte Wegbleiben bei solchen Sonntags-Uebungen unterliegt gleichfalls der Bestrafung. Vorstehendes wird den Angehörigen der hiesigen "Pflichtfeuerwehr" auch noch auf diesem Wege ebenso ernstlich, als wohlmeinend bekannt gemacht. - 1. Juni 1888. Stadtschultheißenamt. Kübler Die Feuerwehrmänner mußten, wenn sie einer empfindlichen Strafe entgehen wollten, plausible Entschuldigungsgründe für ihr Nichterscheinen bei einer Übung, oder wenn die Sache ernsthafter und längerer Natur war, ein ärztliches Zeugnis beibringen. Das war nicht ganz einfach. Der Arzt war angewiesen, zurückhaltend mit diesbezüglichen Zeugnissen zu sein. Doch waren manche von ihnen mit Leiden behaftet, die es unmöglich machten, den Dienst bei der Wehr zu erfüllen. Dennoch haben viele jahrelang unter Aufbietung der letzten Kräfte ausgehalten. Man gab in dieser Zeit nicht so schnell auf. Man nahm die Pflicht noch ernst. Wenn es aber dann doch nicht mehr ging, dann hatte der Kommandant und der Gemeinderat, der letztendlich entscheiden mußte, die schwierige Aufgabe, der Bitte um Entlassung nachzukommen. Da schreibt einer: ... 43 Jahre alt, ist mit einigen Unterbrechungen vierzehn Wochen lang im Ludwigsspital in Stuttgart gewesen, zweimal operiert worden, krank nach Hause gekommen, kann ohne dauernde ärztliche Versorgung nicht leben, bittet deshalb "unterthänigst" um Entlassung aus der Feuerwehr. und ein anderer: ... 46 Jahre alt, leidet an starken Beklemmungen der Brust mit heftigem Atmen, vermag nicht mehr seine Schuldigkeit an der Spritze zu tun, bittet deshalb "unterthänigst" um Entlassung. Schreiben dieser Art erhielt der Kommandant viele. Was sollte er tun? Die Pflichtfeuerwehr war "Pflicht" für alle. Wer war überhaupt gesund? Es gab so viele in dieser Zeit, die ein Leiden oder Gebrechen hatten. Die Lebenserwartung der Männer lag zwischen 50 und 58 Jahren. Und dann gab es aber auch noch andere. Sie nutzten die Sache aus. Dabei entstanden kuriose Situationen. Die entsprechenden Entschuldigungszettel häuften sich beim Kommandanten: Der Unterzeichnete bittet um Entschuldigung indem ich heute auf dem Mundelsheimer Markt war mit Waare und deshalb zu der heutigen Übung nicht erscheinen konnte. und ein anderer: Ich bitte mich zu entschuldigen daß ich nicht bei der letzten Übung war weil ich Hochzeit hatte. und ein weiterer: Kann nicht zur Übung kommen, gehe auf die Messe mit Waare. und noch weiter: Es ist mir nicht möglich wegen Geschäftlichen Arbeiten auszurücken. und weiter: Meine Frau war noch Wöchnerin und mein kleinstes Kind krank. Ich konnte auch meinen Laden nicht verlassen. Ich werde in Zukunft nichts mehr versäumen. Eingehend wurden solche Entschuldigungen geprüft, dem Gemeinderat vorgelegt und von dort die Gründe bewertet. Wer Pech hatte, das heißt, wessen Gründe nicht anerkannt wurden, bekam eine Strafe auferlegt, die oftmals so hart ausfiel, daß der Delinquent es nicht noch einmal versuchte. Über Feuerwehrübungen an Sonntagen, an denen gläubige Christen nicht teilnehmen konnten, wurde sehr viel verhandelt und geschrieben. Das Stuttgarter Evangelische Sonntagsblatt hat in seiner Ausgabe vom 10. Februar 1889 auf Grund vieler Anfragen dazu Stellung genommen. Auszugsweise stand hier: ... die Anfrage war vielen aus dem Herzen gesprochen, die sich in ihrer Bekenntnistreue bedrückt fühlen. ... die Sache ist dem Gesetz gemäß und soll nicht gegen eine Behörde gerichtet sein. .. für den Augenblick kann nur empfohlen werden, Strafe zu bezahlen. Für die Zukunft böte der § 15 der Landesfeuerlöschordnung einige Aussicht für Angefochtene von der "Sache" loszukommen, indem die Möglichkeit eröffnet ist, die Entbindung vom Dienst in der Feuerwehr gegen eine Abgabe von 4 bis 20 Mark jährlich zu erlangen. ... wenn der Staat zur Teilnahme an der Feuerwehr zwingt, so muß er umso mehr sich davor hüten, den in Gottes Wort gebundenen Gewissen Gewalt anzutun. ... wir bitten dringend und vertrauensvoll unsere hohe Regierung um die Einhaltung des 3. Gebots, damit der Feiertag geheiligt werden kann und hoffen von dem milden und volksfreundlichen Sinn unsres geliebten Königs, das Beste. Das, was in diesem Artikel angeklungen war, nämlich die Entbindung vom Dienst bei der Feuerwehr durch Bezahlung einer jährlichen Geldsumme, hat letztlich dann zu dem System der Freiwilligen Feuerwehr und der Feuerwehrabgabe geführt, die von Nichtdienenden zu entrichten ist.



Das Jubiläum

Im Drei-Kaiser-Jahr übernahm der Werkmeister Carl Schwammberger das Amt des Hauptkommandanten der Feuerwehr von Großbottwar. Der alte Kaiser Wilhelm I. starb, über 90 Jahre alt, am 9. März 1888. Sein Sohn und Nachfolger Friedrich III. war bei seiner Thronbesteigung bereits ein todkranker Mann. Er regierte nur 100 Tage. Danach trat am 15. Juni 1888, nach dem Tod seines Vaters, der junge Kaiser Wilhelm II. die Regentschaft an. Er war ein starker Mann und er liebte das Militär über alle Maßen. Das spürte man auch bei der Feuerwehr. Sogar die Uniformen bekamen einen neuen militärischen Schnitt. Die innere Organisation wurde gestrafft. Der Stab der Wehr erfuhr eine Erweiterung. Ihm gehörten nun an: Schwammberger, Hauptkommandant Dautel, Vizekommandant Brönnle, Hornist Veitinger, Hornist Fink, Carl, Hornist Schittenhelm, Tambour Pantle, Christian, Tambour Remppis, Kassier Scheef, Wundarzt Nun hatte Schwammberger zu Beginn seiner Tätigkeit eine angenehme Pflicht zu erfüllen. Das wegen des Ausscheidens von Jakob Feil ausgefallene 25jährige Jubiläum der Großbottwarer Feuerwehr sollte unverzüglich nachgeholt werden. Die Feuerwehr stand im Mittelpunkt des städtischen Interesses und konnte auf eine solche repräsentative Feier nicht verzichten. Zur Feier lud der Hauptkommandant schriftlich den Stadtschultheißen und den Gemeinderat ein. "Verehrter Gemeinderat Großbottwar! Im Auftrage des Verwaltungsrates der hiesigen Feuerwehr erlaube ich mir den Herrn Stadtvorstand, sowie die Herren Gemeinderäte zur Beteiligung beim Festzug, auf dem Festplatz und beim Festball am Jubiläumstag, 29. ds. Mts. ganz besonders einzuladen. Näheres über Beginn ect. wird den Herren durch das übersandte Programm zugegangen sein. Großbottwar, den 21. Juni 1889 Hochachtungsvoll! Hauptkommandant Schwammberger Am 29. Juni 1889 war es dann soweit. Es wurde ein glänzendes Fest. Schon der Festzug, der sich in der Mittagszeit durchs geschmückte Städtle bewegte, bot ein imposantes Bild. Mehrere Feuerwehrabteilungen aus den Nachbargemeinden und der weiteren Umgebung in prächtigen Uniformen marschierten durch die Straßen und Gassen, angeführt von einer Abordnung der Regimentskapelle des Ludwigsburger Infantrieregiments. Auch die Tamboure der einzelnen Wehren schlugen zum Marschtritt ihre Trommeln. Dazwischen bliesen die Hornisten ihre Signale und die Messinghelme mit den farbigen Helmbüschen der Kommandanten glänzten im Sonnenlicht. Aufstellung nahm der lange Zug in der Kleinaspacher Straße. Nach einer Meldung aus der damaligen Zeit kamen 28 Feuerwehren mit mehr als 1000 Mann nach Großbottwar. Sie wurden von der die Straßen säumenden Bevölkerung jubelnd begrüßt. Die noch vor der Kapelle reitenden 8 Festreiter hatten, obwohl es sich um ehemalige altgediente Dragoner und Husaren handelte, große Mühe bei dem überschäumenden Lärm ihre Pferde in Zaum zu halten. Stadtschultheiß Kübler und der gesamte Gemeinderat, einschließlich Stadtschreiber und Verwaltungsaktuar und die Honoratioren des Kameralamts hatten sich gleich hinter der Regimentskapelle in den Festzug eingereiht. Überall im Städtle waren Ehrenpforten errichtet, auf denen sinnige Verse aufgemalt waren. Über der Hauptstraße neben dem Gasthaus "Rose" stand: Die Storchenstadt heißt Euch froh willkommen, mög Euer Tun des Nächsten Haus und Leben frommen! und ein Stück weiter: Ein guter Sinn fürs Vaterland und schnelle Hilf bei einem Brand, ein kameradschaftlich Herz wie Feuer und Flamm das ziert den echten Feuerwehrmann. und in der Oberstenfelder Straße: Den Männern, die ohn Wanken in der Glut, bewähren ihren Männermut, ein herzlich Willkomm von der Stadt, die den Storch im Wappen hat. und beim "Stern": Kameraden von Nah und Fern, die Bottwarstadt sieht biedere Männer immer gern. Kehrt heute ein, seid recht vergnügt, bei uns die Quell' ja nie versiegt. und in der Kirchstraße: "Furchtlos und treu!" Wahlspruch jeder wackeren Feuerwehr sei. Doch fröhlich auch bei Sang, Bier und Wein mögt alle Ihr am heut'gen Feste sein! und zu guter Letzt Gerstensaft und Rebenblut ist auch für Feuerwehren gut, aber trinken mit Verstand, sonst gibt beides auch 'nen Brand. Nachdem der Zug auf dem schön gelegenen Festplatz angekommen war, bestieg Präzeptor Stingel von der Lateinschule die Tribüne und hielt eine "zündende" Festrede. Sie ging zu Herzen, diese Rede, wie die Chronisten bekundeten. Eine Welle großer Begeisterung wogte über den Festplatz. Der Redner vergaß auch nicht ein dreifaches Hoch auf Ihre Majestäten, den König und die Königin auszubringen und beendete seine Ansprache mit dem Gelöbnis der Feuerwehr: "Gott zur Ehr', den Menschen zur Wehr!" Am Abend fand dann bei Fackelschein der Feuerwehrball statt. Bis tief in die Nacht schwangen die Feuerwehrleute und die Gemeinderäte ihre Tänzerinnen im Marsch- und Walzertakt über die Holztribüne. Großbottwar verstand zu feiern, besonders wenn es um die Feuerwehr ging. Da es inzwischen den "Bottwartal-Boten" gab und der Buchdrucker und Besitzer des Verlags selbst als stellvertretender Abteilungskommandant bei der Flüchtungsabteilung Dienst tat, wurde in den vorangegangenen Ausgaben der Zeitung gebührend Reklame gemacht. Es hatte sich gelohnt. Aus der ganzen Umgebung strömten die Leute zum Großbottwarer Feuerwehrfest. Doch gab es auch einen kleinen Wehmutstropfen in dieser Festesfreude. Eine größere Zahl Feuerwehrleute der "ersten Stunde" schied mit diesem Tag aus dem aktiven Dienst aus. Sie hatten das "Feuerwehralter" erreicht. Schwammberger sah sich gezwungen, die Abteilungen umzuorganisieren. Dies wäre jedoch ohnehin notwendig geworden, da durch die fortschreitende Technik der Geräte und neuen Löschverfahren die Aufgaben der Wehr sich gewandelt haben. Mitten in diese Umstellung hinein kam die Nachricht, daß Carl Schwammberger seinen Dienst in Großbottwar quittieren sollte und als Oberamtsstraßenmeister nach Marbach versetzt werde. Nach über siebenjähriger erfolgreicher Tätigkeit als Hauptkommandant bei der Großbottwarer Feuerwehr mußte er nun dieses Amt an einen Nachfolger weiterreichen. 1895 fand die Wahl des neuen Hauptkommandanten und zugleich die Kommandoübergabe statt. In dem Oberamtsstraßenmeister Friedrich Vosseler hatte man einen würdigen Nachfolger gefunden.



Die Feuerwehr im Jahr 1892

Als die Feuerwehr ihren höchsten Personalstand erreicht hatte, glich sie, wie man dies damals nannte, derjenigen einer "kriegsstarken Kompanie". Zu Beginn der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts war dies der Fall. Eine Mannschaftsliste, eingeschlossen die der Chargierten, aus dem Jahr 1892 stellt dies unter Beweis: Stab der Feuerwehr: 1. Schwammberger, Werkmeister, Hauptkommandant 2. Wegner, Vizekommandant 3. Brönnle, Amtsdiener, Hornist 4. Veitinger, Schuhmacher, Hornist 5. Fink, Carl, Jak. Sohn, Hornist 6. Cramer, Tambour 7. Klumpp, Conrad, Tambour 8. Remppis, Kaufmann, Kassier 9. Scheef, Wundarzt, Feuerwehrarzt Abt. der Steiger: 1. Auracher, Friedrich, Kommandant 2. Blessing, Vizekommandant 3. Camerer, Jakob 4. Greiner, Jakob 5. Gruber, Adam 6. Lorenz, Gottlieb 7. Nunn, Gipser 8. Nicolai, Gottlob 9. Riethmaier, Konrad 10. Weinle, Jakob 11.Tränkle.Karl 12. Brosi, Karl 13. Kranich, Wilhelm 14. Auer, Karl 15. Fink, Christian 16. Schmidt, Kübler 17. Brosi, Ernst 18. Maier, Schreiner 19. Wolz, Sattler 20. Gabler, Schneider 21. Brosi, Gottlieb, Ernsts Sohn 22. Weinle, Konrad 23. Höflinger, Schlosser 24. Pfitzenmaier, Friedrich 25. Kreß, Karl 26. Zirkler, Konrad, Carls Sohn Abt. der Schlauchleger: 1. Burckhardt, Bierbrauer, Kommandant 2. Kienle, Stellvertreter 3. Pantle, Küfer 4. Oettinger, Karl 5. Assenheimer, Karl 6. Gröninger, Küfer 7. Dietrich, Carl, Metzger 8. Pantle, Ernst 9. Kranich, Karl, Joh. Sohn Abt. der Retter: 1. Bauer, Franz, Kommandant 2. Maier, Seckler, Vizekommandant 3. Bausch, Gottlieb, Küfer 4. Dietrich, Karl, Sattler 5. Feil, Hermann, Metzger 6. Ganz, Friedrich 7. Kucher, Friedrich, Schuhmacher 8. Lebherz, Christian 9. Müller, Kaufmann 10. Schweinle, Karl 11. Kranich, Jakob 12. Sailer, Friedrich 13. Kocher, Schuhmacher 14. Kerner, Schreiner 15. Hartmaier, Karl Abt. zur Saugspritze: 1. Burger, Uhrmacher, Kommandant 2. Rösch, Hirschwirt, Vizekommandant 3. Trautwein, Christian, Sektionsführer 4. Häfner, Christian, Sektionsführer 5. Schwammberger, Spritzenmeister 6. Seeber, Schreiner 7. Kranich, Konrad 8. Ade, Johann 9. Entenmann, Michael 10. Lees, Konrad 11. Lochmann, Ernst 12. Schittenhelm, Gottfried 13. Schittenhelm, Jakob 14. Schwarz, Johannes 15. Volzer, Ernst 16. Kranich, Johannes 17. Weller, August 18. Kranich, Friedrich 19. Kranich, Jakob 20. Hellerich, Adam 21.Riedel, Karl 22. Zeltwanger, Bauer 23. Blattert, Ziegler 24. Häfner, Jakob 25. Dietz, Gottfried 26. Kümmerle, Christian 27. Schweizerhof, Gottlieb 28. Hartmaier, Gottlieb 29. Hellerich, Karl 30. Müller, Christian 31. Fink, Carl 32. Kucher, Gottlieb 33. Nesper, Adam Abt. zur Spritze Nr. I (Blaue Spritze): 1. Volzer, Michael, Sektionsführer 2. Meister, Schmied, Spritzenmeister 3. Kunz, Ferdinand 4. Ade, Gottlieb, Jak. Sohn 5. Auracher, Gottlieb 6. Deuble, Gottlieb 7. Häfner, Christian 8. Häußermann, Jakob 9. Kranich, Gottlieb, Reuchles Tochtermann 10. Kranich, Johannes, Finks Tochtermann 11. Lebherz, Gottlieb 12. Lees, Gottfried 13. Müller, Adam, Joh. Sohn 14. Müller, Wilhelm, Schuhmacher 15. Auer, Gottlob 16. Fink, Gottlieb 17. Aufrecht, Gottlieb 18. Müller, Carl, Heinr. Sohn Abt. zur Spritze II (Rote Spritze): 1. Philipps, Sektionsführer 2. Schuh, Schmied, Spritzenmeister 3. Schweikert, Jakob 4. Brosi, Christian 5. Allinger, Jakob 6. Siegele, Christian, Balt. Sohn 7. Herkommer, Friedrich 8. Lees, David 9. Reuschle, Heinrich 10. Riedel, Christian 11. Schweikert, Karl 12.Weller, Adam 13. Kranich, August 14. Gmelich, Philipp 15. Wolf, August 16. Lochmann, Karl 17. Pantle, Adam, Gemeinderat 18. Gröninger, Jakob Abt. der Flüchtungsmannschaft: 1. Kicherer, Carl, Kommandant 2. Großmann, Buchdrucker, Vizekommandant 3. Gmelich, Gemeinderat 4. Bertsch, Gemeinderat 5. Weigle, Albert 6. Klumpp, Gottlob 7. Pantle, Waldmeister 8. Klein, Geometer 9. Dietz, Kronenwirt 10. Härle, Buchbinder 11. Kucher, Carl 12. Lehre, Färber 13. Peter, Carl 14. Ruckwied, Gerber 15. Scheible, Metzger 16. Wagner, Gottlieb 17. Brosi, zur Sägmühle 18. Asimus, Johannes 19. Ballreich, Metzger 20. Asimus, Adam 21. Dietz, Jakob Abt. der Buttenmannschaft I: 1. Feil, Jakob, Kommandant 2. Seiffer, Jakob, Vizekommandant 3. Kreß, Carl, Sektionsführer 4. Feil, Heinrich 5. Gscheidle, Friedrich 6. Lösch, Gottlieb 7. Müller, Jakob 8. Ziegler, Karl 9. Zirkler, Gottlob 10. Aufrecht, Karl, Fried. Sohn 11. Bauer, Johann 12. Kaltenbach, Gottlieb 13. Hubele, Gottlieb, Mühlgasse 14. Siegele, Heinrich, Balt. Sohn 15. Häußer, Karl 16. Pantle, Johannes 17. Schäfer, Carl, Ludw. Sohn 18. Kranich, Joh. Jakob 19. Lebherz, Wilhelm 20. Fink, Heinrich, Eselsmüller 21. Aufrecht, Friedrich, Soldat 22. Aufrecht, Konrad 23. Könninger, Jakob 24. Reuschle, Joh. Heinrich 25. Strähle, Conrad 26. Hehl, Johann 27. Braun, Emil Abt. der Buttenmannschaft II: 1. Fähnle, Gottlieb, Kommandant 2. Fink, Jakob, Vizekommandant 3. Föll, Michael, Sektionsführer 4. Ade, Karl 5. Bachmann, Jakob 6. Föll, Jakob 7. Kranich, Christian 8. Lochmann, Karl 9. Siegele, Jakob 10. Wagner, Friedrich 11. Wolf, Adam 12. Fähnle, Adam, im Ronst 13. Müller, Christian, Straßenwart 14. Stigler, Otto 15. Fink, Christian, am Bach 16. Allinger, Christian 17. Müller, Karl, im Haaggäßle 18. Weller, Christian 19. Weber, Jakob 20. Aufrecht, Gottlieb 21. Zirkler, Gottlieb 22. Hubele, Adam 23. Fink, Heinrich 24. Kunz, Karl 25. Müller, Karl 26. Maier, Friedrich 27. Gscheidle, Kupferschmied 28. Lees, Jakob 29. Müller, Heinrich, Conr. Sohn 30. Jahn, Michael Abt. der Wachmannschaft: 1. Lees, Fronmeister, Kommandant 2. Schwarz, David, Vizekommandant 3. Baldreich, Jakob 4. Brosi, Friedrich 5. Ebinger, Jakob 6. Feil, Friedrich 7. Fink, Christian, Conr. Sohn 8. Fink, Friedrich 9. Herkommer, Konrad 10. Auracher, Johann 11. Killinger, Gottlieb 12. Lebherz, Johann 13. Maier, Heinrich 14. Brosi, Jakob 15. Rittberger, Ludwig 16. Sailer, Conrad 17. Schäffer, Heinrich 18. Siegele, Gottlieb 19. Trautwein, Christian 20. Wien, Friedrich 21. Käfer, Michael 22. Häfner, Gottlieb 23. Weller, Friedrich 24. Gruber, Gottlieb 25. Weigle, Friedrich 26. Klumpp, Konrad Die Feuerreiter: 1. Volz, Heinrich 2. Weigle, Konrad, Carls-Sohn Alles zusammen ergab es die stattliche Zahl von 234 Männern.



Ins neue Jahrhundert

Friedrich Vosseler übernahm das Kommando über die Feuerwehr, als die Zeit des großen technischen Umbruchs gerade in vollen Gang kam. Die Entwicklungen der Pumpen und deren Antriebe, selbstfahrende Fahrzeuge, Schiebeleitern, auf Fahrzeugen montiert, Drehleiterkonstruktionen, alles das und noch vieles mehr machte von sich reden. Es gab Dampfspritzen, die zum Ende des vorigen Jahrhunderts schon so perfekt waren, daß sie in den großen Städten überall angewandt werden konnten. Dann tauchten Namen auf, wie Gottlieb Daimler, der schon am 29. Juli 1888 das Deutsche Reichspatent Nr. 46779 über eine Motorfeuerspritze erhielt, Heinrich Kurtz, der mit einem Petroliummotor von 4 PS eine Feuerlösch-Kolbenpumpe antrieb, Nikolaus August Otto, der in der Gasmotorenfabrik Deutz den ersten Viertakt-Verbrennungsmotor zum Laufen brachte, Carl Benz, Wilhelm Maybach, Dietrich Magirus, Carl Metz, Adam Bachert, Albert Ziegler, sie und noch andere mehr revolutionierten damals das Zeitalter der Technik, besonders im Hinblick auf das Feuerlöschwesen. Wenn auch die Feuerwehr in Großbottwar aus Geldmangel zunächst noch nicht an den Spitzenleistungen der Technik teilnehmen konnte, so hatten diese Erfindungen doch Einfluß auf die zukünftigen Einsätze einer Wehr. Kleine Brocken fielen auch für die kleinen Wehren ab. So trat man in das neue Jahrhundert ein. In Großbottwar wurde in den Jahren 1903 und 1904 die Wasserleitung gebaut. Das brachte eine wesentliche Umstellung bei der Wasserzufuhr für die Feuerwehr. Von vornherein war bei der Verlegung der Wasserleitungsrohre der Anschluß der Feuerwehrschläuche eingeplant. An den im Städtle verteilten Hydranten waren Anschlüsse für Standrohre vorgesehen, an die wiederum die Schläuche angeschraubt werden konnten. Der Hauptkommandant Friedrich Vosseler war in diesen beiden Jahren ständig unterwegs, um die Belange der Feuerwehr bei diesem Vorhaben gebührend zu vertreten. Dies gelang ihm umso mehr, nachdem er ja auch beruflich mit dieser Sache beschäftigt war. Es hätte also in dieser Zeit kein Besserer Feuerwehrkommandant gewesen sein können. Auch der Landesfeuerlöschinspektor schaltete sich in diese Angelegenheit ein. Er besuchte Großbottwar und gab in Form eines Gutachtens seine Weisheit dazu bekannt, worin er Dinge nannte, die von Großbottwar nicht finanzierbar waren. Das Gutachten traf am 2. Mai 1904 beim Stadtschultheißenamt in Großbottwar ein. "Betreff Hydrantengeräte für Großbottwar. Für Großbottwar dürfte sich die Anschaffung von 4 sog. einfachen Hydrantenwagen nebst Zubehör empfehlen. Als Zubehör zu jedem Hydrantenwagen sind auszuführen: 1 Standrohr, 1 Steckschlüssel, 1 Paar Schachthaken, 1 Schachtlaterne, 6 Gummiringe & 6 Lederringe zur Dichtung von Standrohr & Schläuchen, einige Schlauchbinder, 1 Schlauchhaspel und zu jedem Wagen 60 m Schlauch, 2 Strahlrohre mit 4 Mundstücken, deren Lichtweite sich nach dem Druck der Wasserleitung richtet, ich möchte raten, solche von 12 & 13 mm Weite zu wählen, 1 Schaufel, 1 Besen, 1 Pickel und außerdem noch in Reserve 2 Standrohre, 2 Steckschlüssel, 2 Paar Schachthaken. Die Stärke der Hydrantenabteilung wäre diesen 4 Hydrantenwagen entsprechend, 32 Mann stark zu wählen, ohne den Abteilungs- und Sektionsführer. Die Ausrüstung der Hydrantenmannschaft hätte zu bestehen in Helm, blauem Armband, für 1/3 der Mannschaft Beile und für 1/3 Signalpfeifen. Die Hälfte der Mannschaft erhält Laternen und Holzhämmer. Bezüglich der Beschaffenheit der Geräte verweise ich auf die Bekanntmachung der Verwaltungskommission der Zentralkasse vom 28. August 1902. Ferner empfehle ich einen Schlauchwagen zur Aufbewahrung von Reserveschläuchen und zum Transport von nassen Schläuchen. Die alten Schläuche sind für die Spritzen zu reservieren. Für sämtliche Neuanschaffungen aus Anlaß der Erbauung der Wasserleitung gewährt die Zentralkasse einen Beitrag von 50 %. Als Firmen zum Bezug der oben genannten Geräte kann ich Ihnen empfehlen: C. D. Magirus in Ulm, Heinrich Kurtz in Stuttgart, J.G. Lieb in Biberach, H. Weißenburger in Cannstatt. Der Königl. Landesfeuerlöschinspekt. Gmelin" Als Stadtschultheiß Burkhardt diesen Bericht gelesen hatte, nahm er einen Rotstift und strich die unter der Rubrik "Reserve" genannten Geräte zunächst einmal ganz weg. Dann dividierte er den Rest durch 2 und am Schluß kam dabei heraus, daß nur 2 Hydrantenwagen gekauft wurden und erheblich weniger Zubehör. "Das muß reichen, es ist sowieso alles so teuer", sprach der Schultes zu seinem Kommandanten und der mußte sich damit zufrieden geben. Friedrich Vosseler hatte nun eine neue Aufgabe. Er mußte seine Schlauchleger umtrainieren. Wie in anderen Bereichen auch ging es dabei korrekt militärisch zu. Befehl und Gehorsam gewährleisteten den Erfolg. Dies war besonders bei der Feuerwehr notwendig, da es bei ihr immer auf die Schnelligkeit ankommt. Friedrich Vosseler war in Großbottwar als eine tatkräftige Persönlichkeit bekannt. Die Männer der Wehr gehorchten bereitwilligst seinen Anordnungen. Seine Intelligenz und sein Fachwissen, gepaart mit ausgeprägten Führungseigenschaften, wurden voll anerkannt. Gerne hätte Vosseler noch einige Geräte beschafft; besonders um eine mechanische Leiter, die er für die Rettung von Menschen für sehr wichtig erachtete, hatte er lange gekämpft, aber der Gemeinderat verstand es, den Kauf vor sich herzuschieben. Auch die von ihm gewünschte Sirenenalarmierung kam mangels Geld nicht zustande. Er war seiner Zeit um 30 Jahre voraus. Erst sein Sohn Fritz, der von 1925 bis 1938 Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr war, hatte bei seinem Gemeinderat mehr Erfolg und konnte diesem mehr Verständnis und Geld abringen. So kam nun der Erste Weltkrieg. Ein großer Teil der Feuerwehrmänner "eilte zu den Fahnen". So fiel manches aus, was vorher geplant war. Die verbliebenen Feuerwehrmänner mußten sich mit dem bescheiden, was übrig geblieben war. Bis zum Jahr 1921 blieb Friedrich Vosseler Hauptkommandant der Großbottwarer Feuerwehr. Damit überbot er den Vorgänger Jakob Feil in der Dienstzeit noch um ein Jahr. Er war der am längsten dienende Feuerwehrkommandant in der Geschichte der Feuerwehr von Großbottwar.



Großbrände

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Großbottwar von zwei großen Bränden heimgesucht, die kurz hintereinander im Stadtzentrum ausgebrochen waren und die erhebliche Schäden verursachten. Mitten im Winter, am Samstag, dem 24. Januar 1903, in den Abendstunden wurden die Bürger zum ersten Mal aus ihrer Ruhe aufgeschreckt und nur acht Tage später, am 3. Februar, zum zweiten Mal. Der Bottwartal-Bote berichtete am 26. Januar 1903: "Am Samstag (24. Januar) abends halb 9 Uhr ist in einer Scheune im Stadtkern ein Brand ausgebrochen, dem die Apotheke, das Gasthaus zur "Krone", das danebenliegende Anwesen des Carl Hemminger und noch zwei weitere Scheunen zum Opfer gefallen sind. Das Feuer hat so rasch um sich gegriffen, daß binnen einer Viertelstunde sämtliche Gebäulichkeiten in Flammen standen und deren Bewohner nur mit knapper Not das nackte Leben retten konnten. Sämtliches Mobiliar ist mitverbrannt, weshalb der Schaden ein enorm großer ist. Nur dem energischen und tatkräftigen Eingreifen der hiesigen wie der auswärtigen Feuerwehren ist es zu danken, daß dem wütenden Element nicht noch mehr Gebäulichkeiten zum Opfer gefallen sind. Es scheint böswillige Brandstiftung vorzuliegen. Das Brandunglück hat am gestrigen Sonntag eine unzählige Menschenmenge von nah und fern herbeigelockt, so daß man auf den Straßen und in den Gasthäusern kaum durchzukommen vermochte." Und acht Tage später: "Gestern (3. Februar) nachmittags halb 5 Uhr wurden die hiesigen Bewohner schon wieder durch großen Feueralarm in gewaltigen Schrecken versetzt. Im oberen Stadtteil in nächster Nähe des Schulhauses (der heutigen sogenannten Alten Schule) war in einer dem Eberhalter Zirkler gehörenden Scheuer wieder ein Schadenfeuer ausgebrochen, das sich in rasender Schnelligkeit ausbreitete und binnen kurzer Zeit noch drei weitere Scheunen und das von Geometer Klein (dem Schwiegersohn des Stadtschultheißen Kübler) und von Gottlieb und Heinrich Müller bewohnte große stattliche Gebäude, samt allem Mobiliar, Heu-, Stroh- und sonstigen Vorräten in Asche legte. Nur mit sieben ununterbrochenen Wasserstrahlen der eigenen und der sechs auswärtigen Feuerwehren konnte dem Weiterumsichgreifen des Feuers in dem engen Stadtteil Einhalt geboten werden. Die Erhaltung des Aufrecht'schen Hauses bei der Kelter ist nur einem Glücksfall zu danken. Die Besitzer der abgebrannten Scheunen sind: Aufrecht, Zirkler, Müller, Bausch, Pantle, Schittenhelm und Ade. Vom Feuer stark bedroht waren das Schulhaus, das obere Stadtpfarrhaus, das Haus von Stadtschultheiß Kübler Witwe und die Kelter. Nur mit Anstrengung aller Kräfte konnte dem Feuer Einhalt geboten werden, wobei die Frauen und Mädchen durch Wassertragen große Hilfe geleistet haben." Nach dem zweiten Brand entstand begreifliche Angst und Unruhe. In der Bevölkerung mag der Schreck eines früheren Großfeuers noch nachgewirkt haben. Drei Jahre zuvor, am 4. September 1900, war der ganze Bereich beidseits der Ringstraße abgebrannt. "Es greift die allgemeine Überzeugung um sich, daß in beiden Fällen Brandstiftung vorliege", schrieb der Stadtschultheiß Burkhardt in sein Protokoll. Mehr zur Beruhigung als in der Hoffnung damit Erfolg zu haben, setzte der Gemeinderat eine Prämie von 300 Mark für die Ermittlung des oder der Brandstifter aus. Nächtliche Wachen wurden eingeteilt. Die Kinder machten - wie stets - das Beste daraus: die Lehrer wurden angehalten dafür zu sorgen, daß die Buben nicht auf den Mauerresten der Brandplätze herumkletterten. Schließlich mußte man Fuhr- und Handfronen anordnen, um die Schuttmassen abzuräumen. Den beiden Bränden sind einige bemerkenswerte und historisch wichtige Gebäude zum Opfer gefallen. Da ist einmal die alte Apotheke. Schon 1625 war dort der Apotheker Daniel Steinle tätig. Das Gebäude gehörte nicht ihm, sondern der Herrschaft, also dem Kameralamt. Aber mit ihm war ein "ewiger herrschaftlicher Hellerzins" verbunden, der aus der sogenannten Apothekergerechtigkeit herrührte. Zur Zeit des Brandes besaß der Apotheker Wilhelm Villinger die Apotheke. Er war kurz zuvor aufgezogen. Ihn traf der Verlust der Arzneien und Heilmittel besonders hart. Trotzdem hatte er schon nach ein paar Tagen eine "Hilfsapotheke" im Gasthaus "Stern" eröffnet. Dies war sehr nötig, da zu dieser Zeit die Großbottwarer Stadtapotheke die einzige im ganzen Bottwartal war. Das ebenfalls sehr alte Haus an der Ecke Hauptstraße/ Marktplatz, das auch total abgebrannt war, gehörte längere Zeit den Herren von Plieningen als Stadthaus. Sie lebten im Schloß Schaubeck zu Kleinbottwar. Ihre Nachfolger waren die Freiherren von Gaisberg. Von diesen ist das Haus dann durch Kaufan den bekannten Großbottwarer Vogt Johann Melchior Kapf übergegangen. Neben diesem Gebäude stand, mit Front zum Marktplatz, das alte Kaufhaus des Karl Hemminger. Es war ein sehr respektables Haus. Es brannte in wenigen Stunden bis auf die Grundmauern nieder. Im 17. Jahrhundert war es noch eine Schildwirtschaft mit dem Namen "Güldener Löwe". Später, etwa um das Jahr 1700, erhielt es den Namen "Schwarzer Adler". Lange Zeit hat der Stadtschreiber Bonifazius Riekher in diesem Gebäude gewohnt. Dies verlieh dem Gebäude eine besondere Wichtigkeit, denn der Stadtschreiber hatte seinerzeit die Funktion wie heute ein Bürgermeister und in seiner Wohnung erledigte er auch Amtsgeschäfte. Das am 3. Februar 1903 in der oberen Stadt Ecke Lange Gasse/Pfarrgasse abgebrannte große Haus war der herrschaftliche Fruchtkasten, der von dem Murrhardt'schen Pflegfruchtkasten Ecke Kirchgasse/Entengasse zu unterscheiden ist. Im Lagerbuch von 1522 ist das Haus als herrschaftliches Kornhaus beschrieben. 1769 heißt es: "Ein Kornhaus oder Fruchtkasten mit drei Fruchtböden auch Bandhaus (Küferei) dabei und Keller darunter, nächst dem Bürger-Buttenstellplatz." Nach dem Aufhören der Naturalwirtschaft und der Ablösung der bäuerlichen Ablieferungspflichten ist das Haus im Jahre 1852 vom Staat verkauft worden. Beim Verkauf waren die Fruchtböden noch mit staatlichem Getreide belegt und im Keller lagerten noch die herrschaftlichen Fässer. Käufer waren für das Obergebäude der Stadtrat Konrad Fähnle und für den Keller der Lammwirt Karl Bertsch. Fähnle hat den Fruchtkasten zu einem Wohnhaus umgebaut. Das Haus ist nach dem Brand nicht wieder aufgebaut worden, es ist als Scheune benützt worden. Der steinerne Unterstock, der noch vom alten Kornhaus herstammt, ist bis heute mit einer Art Notdach versehen. Der Keller ist im Erbgang auf die Tochter Berta des Lammwirts Bertsch übergegangen, die mit Jakob Kicherer verheiratet war; so ist der Keller zu seinem Eigennamen "Kichererskeller“ gekommen.



Das doppelte Intermezzo

Nach Friedrich Vosseler gab es im Kommando zwei kürzere Intervalle von je zwei Jahren. Carl Hemminger, ein vielseitiger begabter Kaufmann, übernahm das Amt des Hauptkommandanten im Jahr 1921 und gab es Anfang Mai 1923 wieder ab. Er war ein Mann, der lieber seinen vielen Hobbies frönte, als daß er der Feuerwehr hätte neue Impulse verschaffen können. Carl Hemminger wurde durch Jakob Schäfer abgelöst, der die Feuerwehr von 1923 bis zum 24. Mai 1925 befehligte. Zwischen beiden Dienstzeiten lag die Inflation. Die Feuerwehr wurde noch ärmer, als sie vorher schon war. Nicht einmal das Nötigste konnte angeschafft werden und die Feuerwehrmänner, die zwar zu bestimmten Zeiten Millionenbeträge für ihre Löhnung erhielten, mußten später zeitweilig ganz auf Löhnung verzichten. Mit primitiven Mitteln sollte die Wehr erstklassige Arbeit leisten. So gab es aus dieser Zeit wenig zu berichten. Jakob Schäfer stellte dann anläßlich einer Mannschaftsversammlung am 19. April 1925 den Antrag, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen.



Kommandanten der Feuerwehr seit Gründung 1863

Hauptkommandanten der Pflichtfeuerwehr Jakob Feil 1863-1888 Carl Schwammberger 1888-1895 Friedrich Vosseler 1895-1921 Carl Hemminger 1921-1923 Jakob Schäfer 1923-1925



Die Freiwillige Feuerwehr

Es war längst schon notwendig, die Feuerwehr auf eine der Zeit entsprechende, andere Organisationsgrundlage zu stellen. Die Pflichtfeuerwehr hatte sich überlebt. Die äußeren Formen, die politischen und die wirtschaftlichen Einflüsse hatten sich gewandelt. In Großbottwar begann die Neuorientierung am 19. April 1925, kurze Zeit nach der recht und schlecht überwundenen Inflation. So lesen wir in einem Protokoll aus diesen Tagen: "Am 19. April 1925 fand auf dem Rathaus eine Versammlung zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr statt. Herr Stadtschultheiß Burkhardt hielt eine Ansprache und verlas die allgemeinen Statuten der Freiwilligen Feuerwehr. Der seitherige Kommandant Jakob Schäfer stellte den Antrag zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr, welcher einstimmig angenommen wurde. Hierauf erfolgte sofort die Wahl der Zugführer und deren Stellvertreter. Gewählt wurden: I. Zug (Steiger) Lorenz, Gottlieb - Obenland, Eugen II. Zug (Retter) Dietrich, Gustav - Härle, Adolf (Schlauchleger) Klumpp, Emil II. Zug (Spritze I) Volzer, Ernst - Reuschle, Wilhelm (Spritze II) Pantle, Fritz - Gröninger, Karl III. Zug (Hydranten) Fleck, Julius - Schwarz, Wilhelm IV. Zug (Wachmannschaft) Weller, Karl - Schwarz, Friedrich Reservezug Gröninger, Wilhelm Musik Fink, Wilhelm Am Sonntag, dem 24. Mai 1925 vormittags 7 Uhr wurden sämtliche Zugführer und deren Stellvertreter, sowie die inzwischen vom Gemeinderat ernannten Geräteverwalter, Kassier und Schriftführer auf das Rathaus geladen zur Wahl eines Kommandanten und dessen Stellvertreter. Nachdem der bisherige Kommandant Jakob Schäfer eine Wiederwahl ablehnte, wurde unter dem Vorsitz von Herrn Stadtschultheiß Burkhardt als Kommandant Fritz Vosseler und als sein Stellvertreter W. Baldreich gewählt, welche beide die Wahl annahmen." Kommandant Fritz Vosseler war der Sohn des langjährigen Hauptkommandanten Friedrich Vosseler. Auch er war, wie sein Vater, eine starke Persönlichkeit. Seine Führungseigenschaften stellte er bereits im Ersten Weltkrieg unter Beweis. Unvergessen waren seine Frontberichte, die er zum Abdruck an den "Bottwartal-Boten" sandte. Er war und blieb ein Mann, der seine Heimat und sein Vaterland aus vollem Herzen liebte und dafür war er bereit, alles zu geben. So war es nur natürlich, daß er jetzt, mitten in den unglücklichen Zwanziger Jahren, einen Auftrag annahm, der ihm eigentlich auf den Leib geschnitten war und den er aber auch mit vollem Einsatz ausführte. Er hatte etwas an sich, das die Leute anzog und so einer war in dieser Zeit dringend von Nöten. Zunächst hatte er jedoch eine traurige Zeit zu durchstehen. Seine beiden bestbewährten Feuerwehrleute, der Zugführer des Rettungszugs Gustav Dietrich und sein stellvertretender Kommandant Wilhelm Baldreich starben kurz hintereinander. Nur schwer waren die Lücken wieder zu füllen. Über die weiteren Aktivitäten der Feuerwehr hat der Schriftführer Adolf Härle getreulich Buch geführt. Wir lesen da von vielerlei Sorgen, hauptsächlich mit dem Geld. Mit der Einführung einer Freiwilligen Feuerwehr mußte auch die Finanzierungsfrage neu geregelt werden. Nach wie vor galt der Grundsatz, daß jeder männliche Bürger zwischen seinem 18. und 50. Lebensjahr feuerwehrpflichtig sei, jedoch sich durch eine Feuerwehrabgabe, die jährlich an die Stadtkasse zu entrichten war, vom Dienst bei der Wehr freistellen lassen konnte. Dagegen erhielten die Feuerwehrleute eine Löhnung für ihren Einsatz. Diese fiel allerdings sehr bescheiden aus. Die geringe Differenz zwischen beiden Beträgen bewog so manchen Feuerwehrmann, wieder aus der Wehr auszutreten und lieber den einfacheren Weg der Abgabe zu wählen. Das früher so hoch angesetzte Nationalgefühl und die selbstverständliche Hilfsbereitschaft zog in dieser Zeit ohnehin nicht mehr. Der Gemeinderat war zudem daran interessiert, die Feuerwehr so klein wie möglich zu halten, da er damit Geld sparen konnte. Der Kommandant aber, der eine Aufgabe und eine Verpflichtung übernommen hatte, mußte sich nun auf diplomatischem Wege durch das Labyrinth der Interessen winden, um trotz alledem eine gut funktionierende Feuerwehr zu garantieren. Dies hatte zur Folge, daß immer wieder bei wechselndem Personalstand, Umstellungen und Neueinteilungen vorgenommen werden mußten. Der Kommandant Fritz Vosseler war nicht zu beneiden. Dazu muß man berücksichtigen, daß man sich in einer Zeit der ständig wachsenden Arbeitslosigkeit befand und eine unsichere politische Lage auf dem Gemeinwesen lastete. Aus dem Protokoll einer Sitzung des Verwaltungsrats entnehmen wir, daß der Kommandant, sein Stellvertreter und der Kassier auf das ihnen zustehende Gehalt verzichteten, um der Mannschaft wenigstens pro Übung, die meist drei bis vier Stunden dauerte, eine Löhnung von 15 Pfennige ausbezahlen zu können. Trotzdem ging es stetig aufwärts, was einem Wunder glich. Am 4. September 1927 fand in Großbottwar der Bezirksfeuerwehrtag statt. Dazu lesen wir im "Bottwartal-Boten": 8. Bezirksfeuerwehrtag in Großbottwar Großbottwar, 4. Sept. Unter sehr zahlreicher Beteiligung der Feuerwehren und der Ortsvorsteher des Bezirks fand hier heute der 8. Bezirksfeuerwehrtag statt, wozu sich auch sonst noch eine Unmasse Schaulustige einstellte. Schon vormittags 9 Uhr fand eine Ausschußsitzung auf dem Rathaus statt, in der Feuerlöschordnungsgegenstände beraten wurden, außerdem wurde die Wahl des Vorsitzenden und dessen Stellvertreter vorgenommen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Oberamtsbaumeister Buhl = Marbach und als dessen Stellvertreter Bauwerkmeister Vosseler = Großbottwar gewählt. Der Nachmittag war Uebungen vorbehalten. Zuerst kam eine Schulübung der Freiw. Feuerwehr Großbottwar, hieran anschließend eine Vorführung der Bachertleiter durch die Frw. Feuerwehr Kleinbottwar. Eine Angriffsübung an der "Rose", an der sich auch die Motorspritze Ludwigsburg beteiligte, zeigte viel Interessantes; ebenso die Vorführung einer Lafetten = und einer tragbaren Motorspritze von Gebr. Bachert = Kochendorf. Der zum Schluß vorgeführte Handfeuerlöschapparat "Radikal" und eines Schaumlöschers brachte ungeteilten Beifall. Nachmittags 3 Uhr fand in der Stadthalle eine Führerversammlung statt. Zu Beginn derselben sprach der Hauptmann der Großbottwarer Freiw. Feuerwehr, Herr Bauwerkmeister Vosseler, den zahlreich Erschienenen herzlichen Dank aus und begrüßte insbesondere den Oberamtsvorstand, Herrn Oberamtmann Grimm = Marbach, sowie die anwesenden Ortsvorsteher und die Feuerwehren aus dem Bezirk, auch gedachte er in warmen Worten der Mannschaften der Motorspritze Ludwigsburg. Alsdann ergriff Herr Oberamtsbaumeister Buhl = Marbach das Wort, der insbesondere dem seitherigen Bezirksfeuerlöschinspektor Lutz herzlichen Dank für seine Mühewaltung aussprach. Außerdem betonte er, daß es seine vornehmste Sorge sei, die Ausbildung, die Ausrüstung und den Aufbau von jeder Feuerwehr des Oberamtsbezirks auf die Höhe der heutigen Technik zu bringen zu erhalten, damit die Feuerwehr der Erfüllung ihrer verantwortungsvollen Aufgabe jederzeit gewachsen sei. Er werde bestrebt sein, daß in jeder Gemeinde der Ausbau der Wasserleitung gefördert werde und wo eine solche noch nicht eingerichtet sei, erbaut werde. Herr Oberamtmann Grimm sprach seine Freude darüber aus, daß das, was er hier gesehen, von selten kameradschaftlichem Geiste zeuge, die heutigen Uebungen, sowie die ganze Veranstaltung den besten Eindruck hinterlassen hätten, er wünsche, daß das Feuerlöschwesen zum Nutzen der Allgemeinheit dienen möge. Die Feuerwehrkapelle Großbottwar hat bei diesem Anlaß wiederum ihr Bestes gezeigt. An den nächsten Sitzungen des Verwaltungsrats nahm der neue Stadtschultheiß August Scholl teil, der am 18. September 1926 die Nachfolge von Stadtschultheiß Burkhardt angetreten hatte. Er versprach Besserung in der finanziellen Lage der Großbottwarer Feuerwehr. Tatsächlich konnte er, nach langen Verhandlungen, den Zuschuß der Stadt erhöhen, daß von nun ab 50 Pfennig pro Übung an Löhnung ausbezahlt werden konnte. Außerdem trat er für die Verbesserung des Alarmierungssystems ein. Es sollte eine Sirene auf dem Rathausdach installiert werden. Die Übungen wurden ja immer noch durch die Hornisten eine halbe Stunde vor Beginn der Übung angekündigt. Am 1. März 1930 fand in der vor ein paar Jahren gebauten Stadthalle eine Mannschaftsversammlung statt. Es ging um eine Neueinteilung der gesamten Feuerwehr. Im Protokoll ist zu lesen: "Der Kommandant verlas die Statuten betreffs Wahlen. Das Ergebnis der Wahlen war folgendes: I. Zug: Zugführer Kranich, Johannes Stellvertreter Gruber, Karl Gruppenführer Wien, Heinrich Gruppenführer Kranich, Karl II. Zug: Zugführer Grünewald, Karl Stellvertreter Siegele, Franz III. Zug: Zugführer Reuschle, Fritz Stellvertreter Kranich, Karl IV. Zug: Zugführer Wien, Gotthilf Stellvertreter Schwarz, Friedrich. Sodann erfolgte die Wahl des Kommandanten und dessen Stellvertreter durch den Verwaltungsausschuß. Gewählt wurden: Kommandant Vosseler, Fritz Stellvertreter Weller, Karl Kommandant Vosseler dankte hierauf für das ihm bei der Wahl entgegengebrachte Vertrauen und ermahnte sämtliche Kameraden wie seither treu zur Feuerwehrsache zu halten. Unter den Anträgen war besonders bemerkenswert, daß die Musik Röcke und Mützen wünschte, also eingekleidet werden wollte, wie die übrige Wehr auch." Bei der "Musik" handelte es sich um die Stadtkapelle, die unter der Leitung von Wilhelm Fink geschlossen zur Feuerwehr übergetreten war unter Beibehaltung der parallellaufenden Zivilkapelle und des Musikvereins. Zukünftig war die Stadtkapelle/Feuerwehrkapelle bei allen Mannschaftsversammlungen anwesend und hat den Abend mit "flotter Marschmusik" umrahmt. In einem Protokoll ist vermerkt, daß die Musik bei einem Brand die Spritze bedient und damit dem Zugführer des III. Zugs unterstellt ist. Bei einem Scheunenbrand zu Beginn des Jahres 1933 mußte die Feuerwehr mit Erschrecken feststellen, daß ihre Löschgeräte keinesfalls ausreichend waren, um solche Brände mit Erfolg angehen zu können. Die Zeitung schreibt dazu: Brand in Großbottwar Großbottwar, 14. Jan. In der Nacht von Freitag auf Samstag gegen 1/212 Uhr brannte die an den Rosenplatz angrenzende Scheuer des Gottlob Häcker bis auf die Grundmauern nieder. Das danebenstehende Gebäude des Schuhmachers Wilhelm Stiegler wurde ebenfalls stark beschädigt. Die Feuerwehr, die rasch zur Stelle war, mußte sich darauf beschränken die benachbarten Gebäude zu schützen. Zum Brand in Großbottwar Großbottwar, 14. Januar. Wie wir schon in der Samstag- Ausgabe unserer Zeitung berichteten brannte in der Freitagnacht die Scheuer der Gebrüder Häcker nieder. Als der Brand um 1/2 12 Uhr bemerkt wurde züngelten bereits die Flammen zum Dache heraus und als die inzwischen alarmierte Feuerwehr nach wenigen Minuten am Brandplatze ankam, stand die mit Heu und Stroh gefüllte Scheuer schon in hellen Flammen, sodaß aus der Scheune soviel wie nichts gerettet werden konnte. Durch den furchtbaren Funkenregen bestand große Gefahr für die benachbarten Gebäude. Gegen 12 Uhr stürzte sodann das lichterloh brennende Gebälk in sich zusammen, wobei ein Teil auf das Dach des Hauses von W. Stiegler fiel, das dann ebenfalls Feuer fing. Da jedoch die von Marbach angeforderte Motorspritze inzwischen eingetroffen und bereits in Tätigkeit getreten war wurde das Feuer gemeinsam bekämpft und auf seinen Herd beschränkt. Das Haus von W. Stiegler wurde hauptsächlich auf der linken Dachhälfte durch Feuer zerstört, hat jedoch aber sehr unter dem Wasser gelitten. Gegen 1/2 2 Uhr war das Feuer soweit bekämpft, daß die Motorspritze wieder abrücken konnte. Nachdem sodann nach einiger Zeit auch die Großbottwarer Feuerwehr zurückgezogen werden konnte, wurden nur noch stärkere Wachen am Brandplatze zurückgelassen, die auch am Samstag morgen verschiedene Mal in Tätigkeit treten mußte, da hin und wieder Flammen emporloderten . Dank dem tatkräftigen und energischen Eingreifen unserer hiesigen Feuerwehr sowie der Marbacher Motorspritze, die übrigens hier zum erstenmal in aktive Tätigkeit getreten ist, konnte das Feuer rasch bekämpft und größeres Unheil verhütet werden. Als Entstehungsursache dieses Brandes wird Brandstiftung angenommen. In der darauffolgenden Sitzung des Verwaltungsrats wurden dann auch etliche Anträge für Beschaffungen von Löschgeräten samt Zubehör an den Gemeinderat gestellt. Der größte Teil dieser Anträge wurde genehmigt. Inzwischen war das III. Reich angebrochen und der damit einsetzende wirtschaftliche Aufstieg erlaubte es, mehr Geld für die Belange der Feuerwehr auszugeben. Es gab aber auch andere Änderungen zu dieser Zeit. Im Hinblick auf den Einsatz der Feuerwehr beim Luftschutz mußten Gasmasken beschafft werden, was durch einen erheblichen Staatszuschuß unterstützt wurde. An den Dienstmützen der Feuerwehr mußten ab sofort schwarz- weiß-rote Kokarden angebracht sein und die Feuerwehrkameraden wurden dazu verpflichtet, künftig mit dem "Deutschen Gruß" zu grüßen. 1934 wurde beschlossen, eine Motorspritze zu kaufen. Nach eingehender Besichtigung der in Frage kommenden Fabrikate und Beratung, entschloß man sich, die "Alemania-Motorspritze" vom Fabrikat Ziegler zu bestellen. Nach der Lieferung der Spritze wurde in einer Mannschaftsversammlung am 9. März 1935 eine Neueinteilung der Wehr vorgenommen und die Führungsgruppe neu gewählt: Kommandant Fritz Vosseler Stellvertreter Johannes Kranich Zugführer I. Zug Karl Gruber Stellvertreter Heinrich Wien Zugführer II. Zug Karl Grünewald Stellvertreter Franz Siegele Zugführer III. Zug Fritz Reuschle Stellvertreter Karl Kranich Zugführer IV. Zug Wilhelm Kahl Stellvertreter Karl Häfner Musikzugführer Wilhelm Fink Zugführer Sauserhof Otto Nestel Stellvertreter Friedrich Wüst Kaum war diese Wahl vollzogen, kam die Mitteilung von '"oben", daß zukünftig keine Wahlen mehr stattfinden sollen, sondern die Zug- und Gruppenführer vom Kommandanten ernannt werden. Von nun an hatte die Feuerwehr auch Gasschutzübungen in ihr Übungsprogramm aufzunehmen. Julius Blessing hatte sich auf diesem Gebiet ausbilden lassen und seine Kenntnisse durch Vorträge und Übungen an die Wehr weitergereicht. Ab Mitte des gleichen Jahres wurden die Feuerwehren aller Orte in einer strafferen Organisation zusammengefaßt. Neue Feuerwehrgesetze wurden von der Reichsregierung erlassen. Die Titulierung der Führer wurde geändert. Fritz Vosseler war nun Oberbrandmeister, zu Brandmeistern wurden ernannt: Johannes Kranich und Karl Gruber, Löschmeister wurden Heinrich Wien, Karl Häfner, Karl Kranich, Franz Siegele und Fritz Reuschle. Wilhelm Fink wurde zum Obermusikmeister befördert. Die Großbottwarer Feuerwehr wurde auf eine Sollstärke von 86 Mann begrenzt. Deshalb wurde jedem freigelassen, sich abzumelden. 43 Mann machten davon Gebrauch. Oberbrandmeister Vosseler hatte es aber durchgesetzt, daß die Wehr ihre bisherige Mannschaftsstärke beibehalten dürfe. Die bereits Ausgeschiedenen wurden aufgefordert, zurückzukehren. Bis auf vier kamen alle wieder, womit der Personalstand bei 121 Mann verblieb. Der Verwaltungsrat wurde von nun ab mit "Führerrat" betitelt und am Schluß der Mannschaftsversammlungen, am 29. März 1938 zum ersten Mal, mit einem "Sieg Heil" auf "unseren Führer Adolf Hitler" der Abend beendet. Um eine rechtliche Grundlage, für die Wehr zu schaffen, mußte sie sich in das Vereinsregister beim Amtsgericht in Marbach eintragen lassen. Zwei verdiente Feuerwehrmänner, Gottlob Siegele und Ernst Pantle wurden zu Löschmeistern ernannt. Am 28. November 1938 berief Oberbrandmeister Vosseler den Führerrat zu einer Sitzung ein und unter der Anwesenheit von Bürgermeister Scholl, Stadtpfleger Brosi und Ratsherr Pantle gab er bekannt, daß er sein Amt als Feuerwehrführer und Oberbrandmeister niedergelegt habe, da er seine Tätigkeit als Architekt in Großbottwar beende und nach Stuttgart umziehen werde. Im Protokoll über diese Sitzung steht zu lesen: "'Oberbrandmeister Vosseler bedankte sich bei den Kameraden für ihre treue Mitarbeit in der Zeit seit 1925 in der er die Wehr führte, sowie für das Entgegenkommen von Seiten der Stadtverwaltung und Herrn Bürgermeister Scholl, insbesondere bei der Beschaffung der Motorspritze. Bürgermeister Scholl bedankte sich in einer längeren Ansprache bei Herrn Vosseler für die vorbildliche Leitung der Wehr und das gute kameradschaftliche Zusammenhalten. In ähnlichem Sinn sprach auch Brandmeister Johannes Kranich und wünschte dem Scheidenden und seiner Familie bestes Wohlergehen. Auch Brandmeister Gruber bedankte sich bei unserem seitherigen Wehrführer im Namen des Führerrats und der gesamten Feuerwehr. Mit der Führung der Wehr wurden beauftragt, Brandmeister Johannes Kranich, als Stellvertreter Brandmeister Gruber und als dessen Stellvertreter Löschmeister Fritz Reuschle. Nach der Sitzung war noch ein gemütliches Beisammensein zum Abschied unseres Oberbrandmeisters Fritz Vosseler. Dabei wurde die Taufe des Genossenschaftsweines "Wohltäter" vollzogen." Von nun an führte Brandmeister Johannes Kranich die Feuerwehr. Im Protokoll war dazu vermerkt: "Nach der Übung am 19. Mai 1939 fand im Gasthaus zur "Rose" ein Kameradschaftsabend statt. Jeder Mann erhielt zwei Glas Freibier. Der Führer der Wehr Brandmeister Kranich hielt eine längere Ansprache, auch über den Zweck dieses Abends. Anwesend von Seiten der Stadt war Beigeordneter Gerbermeister Bertsch." Und bald danach: "Nach Einladung von Bezirksfeuerlöschinspektor Buhl marschierte die Feuerwehr mit 80 Mann einschließlich Musik am Sonntagmorgen nach Höpfigheim zur Waldbrandübung. Forstmeister Lechler, der die gesamte Übung leitete, hielt zuerst eine längere Ansprache über Wesen und Zweck des Waldes, sowie über Bekämpfung eines Waldbrandes. Danach folgte von der Höpfigheimer Feuerwehr die Vorführung einer interessanten Waldbrandübung. Nachdem wir uns bei unserem Landsmann Otto Feil gestärkt hatten, marschierten wir mit klingendem Spiel wieder der Heimat zu." Dann ging es weiter: „Sämtliche Feuerwehren wurden in die Feuerschutzpolizei eingegliedert. Es fanden daher keine Versammlungen mehr statt, sondern nur noch Übungen und Appelle, welche vom Führer der Wehr angesetzt wurden. Infolge dieser Maßnahmen fallen auch sämtliche Protokolle aus“ Der Krieg, der zu einem totalen wurde, nahm spürbaren Einfluß auf das Geschehen in der Feuerwehr. Der Führer der Wehr wurde bereits am ersten Mobilmachungstag zur Wehrmacht eingezogen. Mit ihm viele Feuerwehrkameraden. Brandmeister Gruber übernahm das Kommando. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, wurde eine Reservefeuerwehr aufgestellt, die aus den älteren Jahrgängen bestand, mit deren "Einrücken" nicht mehr zu rechnen war. Zum Führer der Reservefeuerwehr wurde der Kassier und Schriftführer Adolf Härle bestimmt. Zugführer "Motorspritze" wurde Karl Ganz, sein Stellvertreter Max Kienle, Zugführer "Steiger" Jakob Kümmerle, Stellvertreter Albert Möhle, Zugführer "Hydranten" Julius Haist, Zugführer "Spritze I" Fritz Wägerle, Zugführer "Spritze II" Herzer, Spritzenmeister Paul Meister, Ernst Schuh und Kübler-Wägerle, Sanitäter Karl Assenheimer, Kraftfahrer Karl Haag und Gotthold Scheffler, Geräteverwalter Karl Dautel, Elektriker Deuschle, Hornist Wilhelm Stiegler und Tambour Karl Fink. Noch einmal, und gegen alle Vorschriften, griff der Schriftführer Adolf Härle zur Feder, um einen ihm wichtigen Bericht festzuhalten: "In der Nacht vom 2. auf den 3. September 1940 morgens um 1/2 3 Uhr warf ein englischer Flieger 3 Sprengbomben und etwa 75 Brandbomben, in der Hauptsache zwischen dem Lagerhaus der Labag und der Mühlgasse. Die Feuerwehr griff sofort ein. Obwohl es an allen Ecken brannte, konnte die hiesige Feuerwehr im allgemeinen den Brandherd eindämmen. Zur Hilfe trafen ein: Ludwigsburger Motorspritze, dann Marbach, Steinheim, Winzerhausen und gegen Morgen eine Bereitschaftsspritze aus Stuttgart. Außerdem erschien eine Kompanie Soldaten zum Absperren. Ganz und teilweise abgebrannt sind 6 Wohnhäuser und 8 Scheunen. Der Schaden, der durch Bombensplitter entstanden war, war sehr erheblich. Wir hatten zu beklagen: eine tote Frau und mehrere Verletzte. Während des ganzen Krieges, von 1939 bis 1945, wo jeden Tag bis zu viermal Fliegeralarm war, hatte dauernd ein Zug Bereitschaftsdienst im Rathauskeller. Die Feuerwehr hatte so im Lauf der Jahre bei hunderten von Alarmen auszurücken. Die Feuerwehrgeräte wurden wegen Bombengefahr in fünf verschiedenen Lokalen untergebracht. In der Zeit vom 12. bis 23. April 1945, am Ende des Krieges, waren 25 Mann ständig im Rathauskeller durchgehend Tag und Nacht in Bereitschaft. Während dieser Zeit hatte der Löschzug Sauserhof einen Brand durch Artilleriefeuer zu löschen. Die Stadt selbst blieb davon verschont. Doch hatte man hier am 19. April abends 5 Uhr noch drei Tote durch Artilleriebeschuß. Am Freitag, den 20. April 1945 mittags um 1 Uhr rollten drei amerikanische Panzer in die Stadt und hielten am Marktplatz. Die Stadt wurde übergeben. Der Krieg war für Großbottwar zu Ende." Die alten Feuerwehrmänner, alle waren über 50 Jahre alt, hielten noch eine Weile aus, bis die Jungen nach und nach aus der Gefangenschaft zurückkehrten. Es war ja auch notwendig, Wache zu halten, da sich so manches "Gesindel“ in unserer Gegend herumtrieb.



Geschichte der Großbottwarer Feuerwehr nach 1945



Neuaufstellung der Feuerwehr nach dem Krieg 1946

Zur Neuaufstellung der Feuerwehr nach dem Krieg wurden alle jungen Männer aufgerufen, sich am 19. Mai 1946 in der Stadthalle einzufinden. Unter Vorsitz von Bürgermeister Haag wurden die etwa 120 jungen Leute durch den stellvertretenden Kommandant Fritz Reuschle, Kassierer Härle und die alten Zug- und Gruppenführer in die Feuerwehr aufgenommen und in 4 Züge aufgeteilt. Bei den Wahlen am 19. Mai und 22. Mai 1946 wurden folgende Führer und Unterführer gewählt: Kommandant - Rudolf Rittberger Stellvertretender Kommandant - Otto Möhle Schriftführer und Kassierer - Adolf Härle Geräteverwalter - Hermann Stahl 1. Zug - Motorspritze Zugführer - Albert Lebherz Stellvertr. Zugführer - Erwin Weller Gruppenführer - Gustav Wien Gruppenführer - Otto Fähnle 2. Zug - Steiger und Retter Zugführer - Friedrich Schäfer Stellvertr. Zugführer - Richard Maier 3. Zug - Hydranten Zugführer - Albert Gröninger Stellvertr. Zugführer - Eugen Lebherz Gruppenführer - Heinrich Grabenstein 4. Zug - Handdruckspritze Zugführer - Karl Fähnle Stellvertr. Zugführer - Alois Ochs Gruppenführer - Wilhelm Brosi In den folgenden Wochen wurde unter der Anleitung der älteren Zugführer fleißig geübt, so daß die Wehr bald in der Lage war, einen Brand bekämpfen zu können. Am 6. Juni 1946 fand die erste Verwaltungsratsitzung statt. Der Verwaltungsrat bestand aus dem Stab und den Zugführern. Beraten wurde über die Einteilung der Wehr und über den Übungsplan, welcher von der Militärregierung genehmigt werden mußte. In dem Schriftführerbuch vom 28. August 1946 ist zu lesen: "... Daß in ganz Großbottwar, in keiner Wirtschaft, kein einziges Viertel Wein aufzutreiben ist! Somit wurde folgender Beschluß gefaßt: Daß die weiteren Verwaltungsratsitzungen privat abgehalten werden und daß jeder seinen Wein selber mitbringen soll..." Nach zahlreichen Übungen und harter Ausbildung wurde am 9. November 1946 um 16.00 Uhr die erste Hauptübung abgehalten. Hierbei konnte die junge Feuerwehr zeigen, was sie in der kurzen Zeit gelernt hatte. Nachdem das Wirtschaftsministerium in Stuttgart die Feuerwehr für diesen Tag 300 Liter Wein genehmigt hatte, wurde am gleichen Abend in der Stadthalle ein Kameradschaftsabend durchgeführt. Bei der Sitzung am 21. Mai 1947 wurde bereits der Antrag für eine fahrbare Motorspritze an die Stadtverwaltung gestellt, welche auch genehmigt wurde. Das beschlossene und bestellte Fahrzeug wurde jedoch nach der Währungsreform vom Bürgermeister wieder abbestellt. Durch die Neuaufstellung der Feuerwehr im ganzen Land, bekamen die amerikanischen Besatzungsmächte mit der Zeit Angst, daß die uniformierten Feuerwehren einen Aufstand planen könnten. Dieses hatte eine Reduzierung der Mannschaften zur Folge. Auf Anordnung der Militärregierung durfte die Feuerwehr Großbottwar, nicht wie bisher aus 108 Mann, sondern nur noch aus 60 Mann bestehen. Die überzählige Mannschaft wurde entlassen, und die Feuerwehr in 3 Züge eingeteilt. Den Vollzug dieser Maßnahme wurde dem Kreisbrandinspektor Rode am 23. August 1947 vom Verwaltungsrat bestätigt. Die neuen Dienstgrade wurden wie folgt bestellt: 1. Zug: Zugführer: Karl Obenland Stellvertretender Zugführer: Karl Schweinle Gruppenführer: Ernst Müller 2. Zug: Zugführer: Gustav Wien Stellvertretender Zugführer: Otto Fähnle Gruppenführer: Gustav Siegele 3. Zug: Zugführer: Richard Maier Stellvertretender Zugführer: Eugen Lebherz Gruppenführer: Heinrich Bulling Daß die Feuerwehr nicht nur zur Brandbekämpfung eingesetzt wurde, kann man im Protokollbuch nachlesen. Dort steht: "... Bei der am 20. Juni 1948 erfolgten Währungsreform war die ganze Feuerwehr eingeteilt um für Ordnung zu sorgen und das neue Geld zu bewachen!..." Die Feuerwehr war nicht nur bei den Übungen und Einsätzen zur Stelle, sondern auch bei kameradschaftlichen Veranstaltungen stand man nicht zurück. Es gehörte der jährliche Kameradschaftsabend genauso zum Dienstplan wie der Besuch von Feuerwehrfesten, was meistens bis spät in die Nacht dauerte. Weil es in dieser Zeit überall Feuerwehrfeste gab, lag es nahe, auch in Großbottwar ein Fest abzuhalten. Es wurde der Beschluß gefaßt, vom 13. -15. Juni 1953 das 75jährige Jubiläum zu feiern. Nach Unterlagen und Vergangenheit wurde damals nicht weiter geforscht. Man hätte dabei festgestellt, daß die Feuerwehr zu diesem Zeitpunkt bereits 90 Jahre alt gewesen wäre. Der Spielmannszug des Turnvereins hat sich bei diesem Feuerwehrfest bewährt. Da einige Spieler bereits bei der Feuerwehr waren, wurde beschlossen, alle Spielleute in den Feuerwehrdienst zu übernehmen. So konnte man von nun an mit der eigenen Musik bei Festen marschieren. Seit der Neugründung waren bei jeder Mannschaftsversammlung die beiden Themen "Fahrzeug" und "Gerätehaus" der Zündstoff für heftige Debatten. Die Fahrzeugbeschaffung wurde immer wieder gefordert und nachdem die beiden Motorspritzen vom TÜV schwer bemängelt wurden, ist dieses Thema sogar in der Zeitung ausgeschlachtet worden. Bei der Mannschaftsversammlung am 12. März 1955 stellte ein Feuerwehrmann den Antrag: "Die Feuerwehrmänner sollen, um die Finanzierung zu erleichtern, auf ihre Übungsentschädigung verzichten!" Nach einer heftigen Debatte wurde der Vorschlag abgelehnt. Der Grund dafür war: - Der Feuerwehrkamerad war bei nur 2 Übungen anwesend gewesen und somit war für ihn die ausfallende Löhnung gut zu verkraften.- Beim letzten abgehaltenen Winzerfest brachen in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1955, 5 Brände durch Brandstiftung aus. Dabei wurden 2 Scheunen vollständig zerstört, während 3 Brände in der Entstehungsphase gelöscht werden konnten. Durch diese schwere Brandnacht beim Winzerfest löste sich dann das Fahrzeugproblem fast von selbst. Bei einer Verwaltungsratsitzung am 16. Oktober 1955, bei der Bürgermeister Schlitter und Kreisbrandinspektor Rode anwesend waren, wurde der Kauf eines KLF 6 so forciert, daß der Gemeinderat bei seiner nächsten Sitzung den Kauf des Löschfahrzeuges beschloß. Nach mehreren Besichtigungen entschied sich der Verwaltungsrat für ein KLF 6 der Marke Metz auf Opel-Fahrgestell. Nach sofortiger Bestellung konnte das neue Feuerwehrfahrzeug bereits am 9. Mai 1956 bei der Fa. Metz in Karlsruhe übernommen werden. Bei der Ankunft in Großbottwar stellte die Delegation jedoch fest, daß das Tor des alten Magazins um einige Zentimeter zu nieder war. Nach kurzer Beratung wurde im städtischen Bandhaus Platz gemacht, um das Löschfahrzeug dort vorübergehend unterzubringen. Nun mußte die Wehr erneut umstrukturiert werden, denn es sollten die Feuerwehrmänner, die am Ort arbeiteten, in der 1. Gruppe an dem Löschfahrzeug rasch ausgebildet werden. Nach kurzer intensiver Ausbildung konnte das neue KLF 6 am 6. Oktober 1956 in Anwesenheit von Bürgermeister Schlitter, dem Gemeinderat und dem Kreisbrandinspektor Rode an die Feuerwehr übergeben werden. 1958 wurde eine neue Tragkraftspritze TS 8 angeschafft und die beiden alten Motorspritzen ausgemustert. 1956 wurde die 700 Jahrfeier der Stadt Großbottwar mit einem großen Fest gefeiert. Bei dem historischen Festzug am Sonntag war die Feuerwehr mit einer alten Spritze und mit dem neuen Löschfahrzeug dabei. Die alte Spritze war damals in Altersberg, einem Ortsteil von Kleinaspach, in einer Hütte untergebracht und hatte die Aufschrift "Oberamt Bottwar". Diese Spritze wurde im Jahr 1710 angeschafft und bestand ganz aus Holz, selbst die Achsen und Naben waren aus Hartholz. Nachdem das Gefährt geputzt, der Wasserbehälter verschwellt und noch einige Reparaturen durchgeführt waren, war die Spritze wieder funktionsfähig und es konnten die Besucher am Straßenrand etwas abgekühlt werden. Im Jahre 1959 wurde der erste Ausflug mit 2 Bussen zum Titisee in das Feuerwehrheim St. Florian unternommen. Bei der Mannschaftsversammlung am 5. März 1960 schieden der 3. Zugführer Eugen Lebherz und der Geräteverwalter Hermann Stahl nach 25 Dienstjahren aus dem Feuerwehrdienst aus. Man beschloß, den 3. Zug aufzulösen und die restlichen 8 Mann in die beiden anderen Zügen aufzuteilen. Für den ausscheidenden Geräteverwalter Hermann Stahl wurde dem Gemeinderat vom Ausschuß am 23. Juli 1960 als Nachfolger Helmut Sieber vorgeschlagen. Der Gemeinderat folgte diesem Antrag und faßte den entsprechenden Beschluß. Zum Fest im Jahre 1953 erhielt der 1. Zug neue Uniformröcke, 1 Jahr später sollten die restlichen Uniformen beschafft werden. Leider ließ die finanzielle Lage der Stadt dieses erst 1961 zu. Weil des öfteren Feuerwehrmänner zu den Übungen mit Sandalen erschienen, sollte ein Antrag zur Beschaffung von Stiefeln an die Stadt gestellt werden. Dieser wurde jedoch vom Bürgermeister abgelehnt. Daraufhin wurde mit Unterstützung vom Kreisbrandinspektor Rode die noch fehlenden, vorgeschriebenen persönlichen Ausrüstungsgegenstände, wie Stiefel, Hosen, Hakengurte, Beile und Nackenleder beantragt, die der Gemeinderat auch genehmigte. 1965 wurde ein Schaumgerät sowie ein Stromerzeuger mit Scheinwerfer beschafft. Atemschutzgeräte wurden noch zurückgestellt, da das Magazin in der alten Schule als Aufbewahrungsort zu feucht war. Nachdem 1967 Helmut Sieber an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal an einem Gruppenführerlehrgang teilgenommen hatte, sollte jetzt die Ausbildung auf den neuesten Stand gebracht werden. Nach intensiver Ausbildung legten im Mai 1968 die ersten 14 Feuerwehrmänner in Bietigheim das Leistungsabzeichen in Bronze ab. Im darauffolgenden Jahr errangen diese das Leistungsabzeichen in Silber und 3 weitere Gruppen das Leistungsabzeichen in Bronze.



Das Gerätehaus

Am 18. November 1967 beschließt der Ausschuß, einen schriftlichen Antrag zum Neubau eines Gerätehauses im Gemeinderat einzubringen. Dieser Antrag wurde vom Bürgermeister bereits bei der nächsten Sitzung auf die Tagesordnung gebracht. Nach einer regen Diskussion wurde der Punkt vertagt, da der Standort des Gerätehauses noch erhebliche Schwierigkeiten bereitete. Schon seitdem Bombenangriff 1940 war geplant, daß das Gerätehaus bei der Stadtmauer errichtet werden soll. Aus Parkplatzmangel und verkehrstechnischen Gründen war dieser Platz jedoch nicht mehr aktuell und so gab es weitere Vorschläge, wie z.B. vor der Stadtmauer, bei der Schule in der Lindenstraße und bei der Stadthalle. Bei der Mannschaftsversammlung am 15. Februar 1969 gab Bürgermeister Schlitter bekannt, daß der Standort des Gerätehauses beim Freibad in der Kleinbottwarerstraße geklärt sei. Es soll in diesem Jahr die Planung durchgeführt und 1970 mit dem Bau begonnen werden. Der Gemeinderat beauftragte den Architekten Martin Klumpp mit der Planung und so konnte bereits am 15. März 1970 mit dem Bau begonnen werden. Nach zügigem Baufortschritt wurde das neue Gerätehaus im Juli 1971 fertiggestellt. Gleichzeitig mit dem Neubau des Gerätehauses sollte auch die Alarmierung auf den neuesten Stand gebracht werden. Von der Sirenenalarmierung wird auf den "stillen Alarm" umgestellt. Als weitere große Anschaffung ist ein Tanklöschfahrzeug geplant. Mit der Einweihung des Gerätehauses sollte ein neuer Eckpfeiler in der Geschichte der Großbottwarer Feuerwehr gesetzt werden. So wurde beschlossen, dieses mit einem großen Fest gebührend zu feiern. Bei der Mannschaftsversammlung am 24. Januar 1970 gibt Kommandant Rudolf Rittberger seinen Rücktritt zum Jahresende bekannt. Er schlägt vor, seinen Nachfolger schon jetzt zu wählen, da dieser noch Lehrgänge an der Feuerwehrschule besuchen muß. Mit großer Mehrheit wurde der seitherige Geräteverwalter Helmut Sieber gewählt. Von der Neuaufstellung der Wehr im Jahre 1946 sind noch 25 Mann bei der Feuerwehr, sie sollen beim Fest geehrt werden. Etwa 20 Mann wollen bis dahin aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Auf 1.1.1971 wird Hans Kranich auf Vorschlag vom Gemeinderat als neuer Geräteverwalter bestimmt. Bei der Gemeinderatssitzung am 16. Februar 1971 wurde der Kommandantenwechsel offiziell vollzogen. Der neue Kommandant Helmut Sieber wurde vom Bürgermeister Schlitter formell durch Handschlag in seinem neuen Amt bestätigt. Rudolf Rittberger wurde auf Vorschlag des Feuerwehrausschusses vom Gemeinderat zum Ehrenkommandanten ernannt. Vom 17. bis 19. Juli 1971 wurde das 110jährige Jubiläum und die Einweihung des Gerätehauses gefeiert. Am Samstag, dem 17. Juli 1971 um 15.00 Uhr konnte Bürgermeister Schlitter in einer Feierstunde das neue Gerätehaus an den Kommandanten Helmut Sieber übergeben. Das neue Haus umfaßt neben 3 Fahrzeugboxen eine Zentrale und einen Lehrsaal mit den dazugehörigen Nebenräumen. Die Kosten betrugen 390 000,- DM. Im Anschluß an die Einweihungsfeier wurde am historischen Rathaus eine Übung durchgeführt. Bei einem Empfang für die Ehrengäste im Bürgersaal des Rathauses konnte Kreisbrandmeister Rode 25 Feuerwehrmänner für 25jährige Dienstzeit bei der Feuerwehr mit dem silbernen Ehrenzeichen des Landes Baden-Württemberg auszeichnen. Das Ehrenzeichen erhielten: Heinrich Aufrecht, Willi Aufrecht, Gerhard Brosi, Alfred Entenmann, Adolf Fähnle, Alfred Fink, Werner Fuchs, Karl Gmelich, Erwin Häfner, Adolf Hubele, Fritz Jahn, Gerhard Lebherz, Hermann Lebherz, Helmut Lebherz, Albert Müller, Gerhard Majer, Gerhard Pantle, Rudolf Rittberger, Gustav Siegele, Otto Siegele, Richard Weinle, Gustav Wien, Robert Gabler, Otto Schäfer, Willi Wimmer. Die Feierlichkeiten zum 110jährigen Jubiläum wurden am Sonntag dem 18. Juli mit einem Fest begangen. Zuvor bewegte sich ein großer Festzug mit 42 Feuerwehren, und den örtlichen Vereinen, durch die Straßen der Stadt. Der Abschluß bildete montags ein großes Kinderfest mit anschließendem Heimatabend. Am 11. November 1971 wird die neue Feuermelde- und Funkalarmanlage in Betrieb genommen. Es wurden 7 Feuermelder im Stadtgebiet installiert, von welchem der Alarm über Postleitungen zur Zentrale im Gerätehaus gelangte, und über Funk an die 35 Alarmempfänger der Feuerwehrmänner weitergeleitet wurde. Am 21. Juli 1973 konnte Bürgermeister Schlitter das lang erwartete Tanklöschfahrzeug vom Typ TLF 16 mit 2500 Itr Wassertank an die Feuerwehr übergeben. Am darauffolgenden Sonntag konnte die Bevölkerung bei einem Tag der offenen Tür das neue Fahrzeug besichtigen. 1974 wurde für die technische Hilfeleistung, besonders bei Verkehrsunfällen, eine hydraulische Rettungsschere angeschafft. Nach der neuen Einteilung des Katastrophenschutzes wurden der Feuerwehr Großbottwar der 3. Lösch-Rettungszug des Landkreises Ludwigsburg zugeteilt. Dieser bestand aus 4 Tanklöschfahrzeugen, wovon 1 Löschfahrzeug LF 16 TS, 1 Tanklöschfahrzeug TLF 8 und 1 Rüstwagen HRW bei uns ab 1974 stationiert waren. 1 TLF 16 wurde bei der Feuerwehr Oberstenfeld stationiert. Dieses Fahrzeug hat das Verteitigungsministerium Abt. Katastrophenschutz der Bundesrepublik in den Jahren 1981 und 1983 durch Neue ersetzt. Das erste Löschfahrzeug, das KLF 6 wurde 1978 vom TÜV nicht mehr abgenommen und somit nach 22 Jahren eine Ersatzbeschaffung notwendig. Nach der Zustimmung des Gemeinderates und nach längerer Lieferzeit konnte Bürgermeister Schlitter am 30. August 1980 der Feuerwehr ein neues Löschfahrzeug vom Typ LF 16 TS übergeben. Dieses Fahrzeug wurde zusätzlich mit einem Hilfeleistungssatz für technische Hilfe ausgestattet. Dieser bestand aus einem hydraulischen Spreizer, mit Rettungsschere und Aggregat.



Die Gemeindereform bringt neue Aufgaben

Die der Gemeindereform im Jahre 1972 kamen zu Großbottwar die Gemeinden Hof und Lembach und Winzerhausen. Dies bedeutete, daß auch die Feuerwehren zusammen geschlossen werden mußten. Nach mühsamer Arbeit und Vorbereitung wurde eine neue Satzung ausgearbeitet und vom Gemeinderat genehmigt. Bei der Mannschaftsversammlung am 3. Februar 1973 löste man die 3 Wehren formal auf und gründete die neue Feuerwehr Großbottwar mit 6 Abteilungen. Als Kommandant wählte man Helmut Sieber und als Stellvertreter Gerhard Lebherz. Die Leiter der Abteilungen wurden wie folgt gewählt: Abteilung l Großbottwar: Gerhard Lebherz Abteilung 2 Großbottwar: Willi Philipps Abteilung 3 Winzerhausen: Alfred Linder Abteilung 4 Hof und Lembach: Gerhard Braunbeck Abteilung 5 Sauserhof: Walter Gröninger Abteilung 6 Holzweilerhof: Walter Kieser Mit gegenseitigem Verständnis, durch gemeinsame Übungen und Kameradschaftsveranstaltungen wurde der Zusammenschluß gut bewältigt. Durch die technische Ausrüstung und den guten Ausbildungsstand waren die Abteilungen in Großbottwar bald in der Lage, auch in den Ortsteilen den Brandschutz voll zu gewährleisten. Bedingt durch den Nachwuchsmangel wurde im Laufe der nächsten Jahre die Löschgruppen im Sauserhof, Holzweilerhof und die Abteilung in Hof und Lembach aufgelöst. Die Abteilung Winzerhausen baute man jedoch weiter aus. So erhielt sie bei der Eingemeindung neue Uniformen und 1973 ein Löschfahrzeug vom Typ LF 8. Nach längerem Warten und wiederholten Anträgen konnte für die Abteilung Winzerhausen in den Jahren 1982 bis 1983 ein neues Gerätehaus erstellt werden. Die Kosten hierfür beliefen sich auf über l.000.000,- DM. Am 15. Juli 1979 wurde von unserer Wehr das 3. Landesfeuerwehrtreffen des Landesfeuerwehrverbandes Baden-Württemberg durchgeführt. Zum Programm gehörte ein 20 km Feuerwehrmarsch, eine Sternfahrt, ein Geschicklichkeitsfahren mit Prüfung der Maschinisten und eine Kundgebung mit Ministerpräsident Späth. Bei dieser Veranstaltung konnten wir zahlreiche Persönlichkeiten von Feuerwehr und Politik des Landes Baden-Württemberg in Großbottwar begrüßen. (Sogar der Branddirektor aus Haifa in Israel war zu Besuch). Die Schirmherrschaft hatte Ministerpräsident Lothar Späth übernommen. Die gelungene Veranstaltung war in allen Teilen für das Image der Feuerwehr und auch für unsere Heimatstadt Großbottwar ein voller Erfolg. Hohes Lob wurde unserer Wehr vom damaligen Feuerwehrpräsidenten Albert Bürger und vom Landesbranddirektor Schäfer für die Organisation und für die Durchführung ausgesprochen. Durch gemeinsame und überörtliche Ausbildung konnte die Schlagkraft der Wehr im Laufe der Zeit auf ein ziemlich hohes Niveau gebracht werden, und es ist heute jeder Feuerwehrmann im Besitz des Goldenen Leistungsabzeichens des Landes Baden-Württemberg. Als bei der Mannschaftsversammlung am 16. Januar 1982 die Abteilung Hof und Lembach aufgelöst wurde, ist eine Satzungsänderung notwendig geworden. Die Satzung wird vom Ausschuß nach der Mustersatzung des Landes geändert und vom Gemeinderat beschlossen. Am 15. Januar 1983 wurden bei der Mannschaftsversammlung die Wahlen nach der neuen Satzung durchgeführt. Kommandant Helmut Sieber stellte nach 30jähriger Dienstzeit sein Amt zur Verfügung. Als neuer Kommandant wurde Kurt Siegele gewählt. Stellvertretender Kommandant und Abteilungsleiter von Großbottwar: Willi Philipps l. Zugführer: Manfred Trautwein Abteilungsleiter von Winzerhausen: Heinz Ziegler In den Ausschuß wurden gewählt: M. Trautwein, H Reuschle, R. Schwarz, W. Philipps, H. Ziegler und R. Streicher. Nach 3jähriger Amtszeit gibt Kurt Siegele aus gesundheitlichen Gründen das Kommando ab; als neuer Kommandant wurde Manfred Trautwein gewählt. Nachdem das Regierungspräsidium den Einsatzplan für die Autobahnen neu überarbeitet hatte, wurde der Brandschutz auf der A 81 im Abschnitt Mundelsheim-Pleidelsheim und Mundelsheim-Ilsfeld ab 1985 der Feuerwehr Großbottwar übertragen. Die Folge ist, daß die Feuerwehr ca. 15 Einsätze im Jahr mehr fahren muß. 1987 wurde die technische Ausrüstung der Wehr durch einen zweiten Spreizer von staatlicher Seite vervollständigt und so ist die Wehr damit in der Lage, die technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen auf unserer Markung allein zu bewältigen. Als langersehnter Wunsch wird die Feuerwehr zu ihrem 125jährigen Jubiläum einen Mannschaftstransport- und Einsatzleitwagen erhalten. Mit diesem Fahrzeug wird der Fuhrpark vervollständigt und es steht der Feuerwehr Großbottwar eine optimale Ausstattung zur Verfügung, um ihrer Aufgabe in allen Situationen gerecht zu werden. Wir hoffen, daß sich in der Zukunft immer wieder junge Männer finden, die den Geist der Vorfahren weiterführen, um in Not geratenen Menschen freiwillig zu helfen, nach dem Leitspruch der Feuerwehr "Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr".



Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr ab 1925

  • Fritz Vosseler 1925-1938
  • Johannes Kranich 1938-1941
  • Fritz Reuschle 1941-1946
  • Rudolf Rittberger 1946-1971
  • Helmut Sieber 1971-1983
  • Kurt Siegele 1983-1986
  • Manfred Trautwein 1986-1991
  • Martin Kolb 1991-2013
  • Christian Brückel seit 2013